Christiane Löhr

27.5. —
17.7.2016

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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler
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Christiane Löhr, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016, Foto: Serge Hasenböhler

Die in Prato (Italien) und Köln wohnhafte und dort arbeitende Christiane Löhr (*1965) schafft mit Naturmaterialien komplexe Skulpturen und Architekturen, die in ihrer Grösse und Beschaffenheit höchst unterschiedlich ausfallen können. Für ihren ersten Auftritt in der Schweiz im Rahmen einer Einzelausstellung entwickelte Löhr mit ihren Arbeiten einen speziellen Parcours durch die Kabinetträume des Kunsthaus Baselland. Dafür entstanden grossenteils neue Arbeiten, die einerseits vor Ort von der Künstlerin mit ausgewählten Naturmaterialien realisiert werden konnten, sich andererseits mit der architektonischen Begebenheit vor Ort auseinandersetzen.

Skulptur ist ein Begriff, der im Gespr.ch mit Christiane Löhr immer wieder fällt. Sei es, dass die Künstlerin von ihren Zeichnungen spricht, die auf grossen Blättern locker von der Wand hängen oder in Stapeln auf Tischen in ihrem Kölner Atelier liegen, oder von den Arbeiten im Raum, die aus Kletten, Pflanzenstängeln oder Tierhaaren bestehen. Die Formate können dabei grundlegend variieren. Die letzte grosse Raumsäule aus Pferdehaar, die sie 2015 im Vangi Sculpture Garden Museum in Shizuoka in Japan realisierte, besass eine Länge von 6 Metern. Die kleinste Pflanzenskulptur im Kunsthaus Baselland, die Kleine konkave Form von 2016, umfasste gerade einmal eine Höhe von 4,5 Zentimetern. Blickt man auf die vielen, in ihrer Anmutung oft unterschiedlichen Arbeiten, ist man geneigt, den Begriff der Skulptur dafür zu hinterfragen. Oder müsste man sich zugestehen, dass die übergeordnete Definition für ihre vielfältigen Arbeiten noch nicht er- beziehungsweise gefunden ist? Und weiter gefragt: Kann man bei der Beschreibung ihrer Arbeiten den Raum, im welchem sie jeweils präsentiert werden, überhaupt ausser Acht lassen? Denn das sind die Werke von Christiane Löhr eben auch: Es sind Entitäten, die in der Lage sind, selbst einen eigenen Raum auszubilden und zugleich sich mit dem Ausstellungsraum zu verbinden, förmlich an diesen anzudocken. Daher macht es Sinn, mit dem Raum zu beginnen.

Im Kunsthaus Baselland hat Christiane Löhr für ihre Einzelausstellung — ihren ersten Soloauftritt in der Schweiz — die drei oberen Kabinetträume schnell für sich gewählt. Sie hat sich die Architektur angeeignet und förmlich in die Hand genommen, als sei sie selbst das Material, das es zu gestalten gilt. «Die architektonische Begebenheit», so die Künstlerin, «dass der Estrich und die illuminierte Kassettendecke ungebrochen durch die drei sehr unterschiedlichen Räume laufen, gab mir beim Hindurchgehen ein Gefühl des Eingespannt-Seins zwischen Boden und Decke. Das starke Spüren der Spannung in der Vertikale ist auf die Arbeiten übertragen, die ich ausstelle». Da ist etwa die Säule aus Pferdehaar, die tatsächlich eine Vertikale durch die Raumhöhe von über 2,5 Metern zieht und Decke wie Boden unmittelbar berührt. Das Material dieser Rauminstallation sei fast nichts, wie es die Künstlerin beschreibt. Es könne in einer Faust Platz finden — und trotzdem formt die Säule einen Körper, der durch die feine Textur der geknoteten Pferdehaare eine subtile Direktheit entwickelt. Einen skulpturalen Körper, der sein Gegenüber in der Anwesenheit des Besuchers erhält. Es ist gut nachzuvollziehen, dass für die Künstlerin die Haarsäule auch etwas mit einer menschlichen Gestalt zu tun hat. «Sie beschreibt», wie es Löhr formuliert, «eine Körperlichkeit, unserer ähnlich, aber fast nur angedeutet, immateriell. Trotzdem ist es eine konkrete Skulptur, die Bezug auf ihren präzise gewählten Standort nimmt».
Text von Ines Goldbach
Auszug aus der Publikation Christiane Löhr

Ausstellung und Katalog wurden grosszügig unterstützt durch Novartis sowie weitere Unterstützer, die namentlich nicht genannt werden möchten.

Parallel zur Einzelausstellung von Christiane Löhr fanden die beiden Einzelausstellungen von Jonathan Monk und Jan van der Ploeg statt.

KuratorIn: Ines Goldbach