Ralo Mayer

Obviously a major malfunction / KAGO KAGO KAGO BE

28.1. —
18.3.2012

Mayer Ralo E 2012 1
Ralo Mayer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2012
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Ralo Mayer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2012
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Ralo Mayer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2012
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Ralo Mayer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2012
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Ralo Mayer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2012
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Ralo Mayer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2012

Das Kunsthaus Baselland freut sich die erste institutionelle Einzelausstellung des österreichischen Künstlers Ralo Mayer (*1976 in Eisenstadt, lebt in Wien) in der Schweiz präsentieren zu können. Der Künstler hat an der Akademie der Bildenden Künste bei Renée Green und Marina Grzinic studiert und ist in den letzten Jahren mit seinen so genannten ‹performativen Untersuchungen› aufgefallen, die Kunst und wissenschaftliche Forschung zusammenführen. Mayer ist Mitbegründer der Manoa Free University und Herausgeber des Science Fiction Magazins multiplex fiction. Er kann auf institutionelle Einzelausstellungen in der Secession Wien (2008), bei ARGOS in Brüssel (2010) und im Kunstmuseum Lentos (2011) verweisen. Letztere knüpfte an die Verleihung des Preises der Triennale Linz im Jahr 2010 an und wird nun, in einer leicht veränderten Version, im Kunsthaus Baselland dem Schweizer Publikum zugänglich gemacht.

Aspekte sozialer Realität, postfordistische Ökonomie und höherdimensionale Science Fiction sind Themenbereiche, die Ralo Mayer immer wieder in seinen Arbeiten aufgreift. Für die Ausstellung im Kunsthaus Baselland sind es der Weltraum, die Geschichte der Raumfahrt und ihre Utopien, ebenso wie die Biosphären Experimente und ihre Übersetzungen in Science Fiction, die Ralo Mayer in medienübergreifenden, komplexen Settings thematisiert. Der parataktisch kombinierte Ausstellungstitel, der gleichzeitig Titel einer Installationen ist, gibt erste inhaltliche Hinweise: «Obviously a major malfunction» ist die mittlerweile legendär gewordene Aussage des NASA Sprechers Steve Nesbitt, der am 27. Januar 1986 mit diesen Worten die weltweit medial übertragene Explosion der Challenger Weltraumrakete kommentierte. ‹KAGO KAGO KABO BE› wiederum bezieht sich auf die Cargo-Kulte der 60er Jahre, bei denen die Bewohner der Polynesischen Inseln ihre Kolonialisierer (amerikanische Soldaten), die mit Cargo Frachten beliefert wurden, nachahmten. Sah man in den 60er Jahren in diesen Nachahmungshandlungen, in denen beispielsweise mit aus Holz geschnitzten Funkkopfhörern oder Flugzeugen das Funken bzw. Fliegen nachgeahmt wurde, einen Ausdruck von Primitivismus, begreift man aus heutiger Sicht die Handlungen als emanzipatorischen Ausdruck gegenüber den Kolonialmächten. Der Ausdruck ‹KAGO KAGO KABO BE› bezieht sich somit einerseits auf die politisch inkorrekte Rezeption der polynesischen ‹Re-Enactments› westlicher Handlungen, andrerseits aber auch auf die Cargo Bay, die Frachtbucht der Space Shuttles.

In der Installation Obviously a major malfunction / KAGO KAGO KABO BE unternimmt der Künstler performative Untersuchungen über die Raumfahrt und im Speziellen über die amerikanischen Space Shuttles, wobei er die Perspektive der Cargo Kulte mit einbezieht. ‹KAGO› verweist sowohl auf die tatsächliche Fracht der Raumfähre, als auch auf die zahlreichen Trümmer der Challenger, die 1986 kurz nach ihrem Start explodierte und in tausend Teilen auf die Erde fiel. Ein von der NASA veröffentlichtes Bild, das die Rekonstruktion der Einzelteile in einem Hangar zeigt, dient dem Künstler als visueller Ausgangspunkt für die räumliche Umsetzung seiner installativen Anordnung. Mit verkohltem Holz rekonstruiert Mayer die Dreiecksflügel des Raumschiffes, die gleichzeitig auch als Display Plattform für ausgewählte Objekte dienen. So sind in der Installation neben Weltraum-Paraphernalia, diversen Notizen und einem Raumanzug unzählige Objekte unbekannter Herkunft zu finden. Geschlossene Ökosysteme in Glasbehältern verweisen auf die historischen Experimente autarker Besiedlungs- und Überlebenssysteme auf fremden Planeten. In einem Video wiederum erzählt ein blondgelockter Junge von den Abstürzen der Raumfähren Challenger (1986) und Columbia (2003), vom AKW Unfall in Tschernobyl und dem Einsturz der Twin Towers. Sein Gesicht ist von flackerndem Licht ausgeleuchtet, so als ob er vor einem Bildschirm sässe. Der Künstler umreisst einen zeitlichen Bogen von Katastrophen, die Vertreter seiner Generation als prägend miterlebt haben, und zieht eine Verbindung zu den sie konstruierenden Medienbildern.

In seiner Arbeit verweist Ralo Mayer auf Bruno Latours Objektphilosophie, in welcher den Quasi-Objekten (z.B. Computern, Ozonlöchern, Mikroben), eine Handlungs- bzw. Netzwerkfähigkeit zugeschrieben wird, die wiederum auf die Menschen einwirkt. Entsprechend Latour gehören auch die Bilderströme zu jenen Quasi-Objekten, die zwischen den Moderne-Polen von Natur und Gesellschaft angesiedelt sind. Mit dem dritten Titelteil, Woran glauben die Motten, wenn sie zu den Lichtern fliegen, öffnet der Künstler die philosophische Fragestellung nach der Gerichtetheit des menschlichen (und tierischen) Strebens. Was versprechen wir uns vom Licht bzw. vom beständigen ‹Höher, Weiter, Schneller›? Erfüllung? Überwindung der menschlichen Existenz? Fragen wie diese bilden einen inhaltlichen Rahmen der Ausstellung, die sich rhizomartig in weitere Fragestellungen verzweigt.
Text von Kunstmuseum Lentos und Sabine Schaschl

KuratorIn: Sabine Schaschl