Raphael Danke

Filer à l'anglaise

15.1. —
22.3.2009

Danke Raphael E 2009 11
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 10
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 12
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 13
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 15
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 14
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 3
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 5
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 7
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 6
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009
Danke Raphael E 2009 2
Raphael Danke, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2009

Raphael Danke (geb. 1972 in Aachen, lebt in Berlin) zeigt im Kunsthaus Baselland seine erste institutionelle Einzelausstellung. Der Künstler studierte an der Kunsthochschule in Berlin und war in den ersten Jahren nach seinem Studium vor allem durch die Gemeinschaftsarbeit mit seinem Bruder Tobias Danke ins Bewusstsein gerückt. Seit 2005/06 arbeitet er ausschliesslich alleine und ist vor allem mit Einzelpräsentationen in aufstrebenden Junggalerien wie Sorcha Dallas in Glasgow und Sandra Buergel in Berlin aufgefallen.

Unter dem Titel Filer à l’anglaise — dem französischen Ausdruck, welcher das diskrete Verabschieden meint, ein Verschwinden ohne sich zu bedanken und ohne den Abschied kundzutun (im Englischen «Take a french leave» bezeichnet) zeigt Raphael Danke eine Reihe von Collagen, Skulpturen und Installationen. Die Verbindung zum Verschwinden stellt Danke vor allem durch seine spezielle Collagentechnik her, für welche der Künstler auf verschiedenste Modemagazine zurückgreift und aus den ausgewählten Vorlagen, mittels Ausschneiden, die Figuren wörtlich zum Verschwinden bringt. Die Modeindustrie, welche häufig als Produktionsmaschinerie für ein verzerrtes Körperbild gilt, und ihr Sprachrohr das Magazin, dienen dem Künstler als Ausgangsbasis für eine reale materielle Körpermanipulation: Der Künstler entfernt die abgebildeten Körper und verschachtelt die übrig gebliebenen Farb- und Flächenteile bis zum Punkt, an welchem eine neue, oft surreal anmutende Komposition entsteht. Kleiderwürfe, Haarausschnitte und Fragmente von Accessoires blitzen aus Linienstössen hervor oder bilden erst durch diese Einschnitte Form- und Farbgebilde. Allein die Titel lassen erahnen, was sich hier auf vielleicht französische oder englische Weise verabschiedet hat. Die Collagen weisen darüberhinaus ein individuelles Passepartout-Mass auf, welches sich durch die Grössendifferenz zwischen dem Ausgangs- und dem neu entstandenen Bild errechnet. Das Entfernte (die abgebildete/n Figur/en) bleibt auf diese Weise proportional als Zitat von Raumfläche erhalten. Mit Blick auf ihre ursprüngliche Herkunft präsentiert Danke die Collagen im Kunsthaus Baselland teilweise montiert auf eine leporelloartigen Kartonwand. Eine Diaprojektion bringt erstmals auch die für die Collagen verschwundenen Körper wieder zum Vorschein sie tauchen kurz auf, abgelöst von dem jeweils nächsten werbeästhetisch zurecht gerichteten Bild des (meist weiblichen) Menschen.

Die Bildwerdung seiner eigenen Person hinterfragt Danke in der Couch-Installation Dunkle Bereiche vergrössern (2006). Eine sogenannte Aurafotografie des Künstlers, Bild seiner eigenen Aura, diente als Vorlage für eine Überwurfsdecke, die wie im privaten Bereich üblich ein Sofa vor Abnutzung schützt. Mit Hilfe des Photoshop-Filters «Dunkle Bereiche vergrössern» hat Danke seine eigene Person entfernt. Übrig blieb lediglich das Bild seiner bunten Aura. Der Künstler platziert das umgesetzte, gewebte Bild in der Eingangssituation des Kunsthaus Baselland und bringt gleichsam das Empfinden von öffentlichem und privatem Raum durcheinander.

Die thematische Auseinandersetzung mit Fragen zu Raum und Figur, ihrem Verhältnis zueinander und das Thema des Verschwindens der Figur beschäftigt Danke auch in der Skulpturenreihe Filer à l’anglaise (2008). Die bekannten russischen Holzpuppen, die im Innern ihrer grössten Form eine Vielzahl linear verkleinerter Kopien verbergen, sind per se räumliche Volumina, die ineinandergestülpte Figuren beherbergen bzw. sie verstecken. Analog zu seinen Collagen ist auch in diesen Skulpturen der Körper als Fragment bzw. in Spuren zitiert.

Ansicht 1 : 1 (la différence) (2006), eine Installation aus einem speziell gefertigten schwarzen Paar Schuhe mit hohen, schiefen Absätzen und einigen Gipswandteilen bezieht mehrere Referenzsysteme ein und zitiert die menschliche Figur mit dem potentiellen Fetischobjekt des High-heel Schuhs in Männergrösse. Die Relativität von Dingen und dem Leben an sich beschwörend schreibt Kurt Schwitters: «Da das Leben relativ ist und der eine Absatz schief ist, ist der andere umso mehr geraderer». Raphael Danke übernimmt dieses Bild für seine Installation und platziert die Schuhe auf Gipskartonelementen, die sich wiederum an Carl Andrés Equivalents I—VIII, einer Bodenskulptur aus Ziegelsteinen orientiert. Als Referenz für den Grundriss der Installation diente Umberto Boccionis futuristisches Bild Dynamismus eines menschlichen Körpers. Danke verwebt die Substanz des fiktiven Raumes mit der physischen und psychischen Energie eines menschlichen Körpers. Seine Referenzsysteme liefern Erkenntnisse, die sich während der Produktion oder im Nachhinein konstruieren und die ‹wie Rückstände an den Arbeiten hängen›.
Text von Sabine Schaschl

KuratorIn: Sabine Schaschl