Wir heissen euch hoffen

«Next Generation»

Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW

28.8. —
3.9.2017

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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst
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Wir heissen euch hoffen, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2017, Foto: Institut Kunst

Erneut war auch 2017 das Institut Kunst Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW zu Gast im Kunsthaus Baselland. Präsentiert wurden die Bachelor- und Masterarbeiten von Markus Aebersold, David Berwerger, Manuela Cossalter, Johannes Adrian Eiserlo, Kaja Eng, Adrian Falkner, Othmar Farré, Manuel Guldimann, Chris Handberg, Robert Ireland, Tamara Janes, Aida Kidane, Eunji Kim, Lucie Kunz, Melanie Kuratli, Daniel Kurth, Jérome Leuba, Raphael Loosli, Robin Michel, Laura Mietrup, Katrin Niedermeier, Tobias Nussbaumer, Philémon Otth, Gil Pellaton, Mathis Pfäffli, Raphael Reichert, Njomza Sadikaj, Jelena Savic, Anna Shirin Schneider, Manuel Schneider, Aline Stalder, Aysa Stettler, Inka ter Haar, Florian Thate, Ambra Viviani, Tanja Weidmann, Arnaud Wohlhauser und Simon Wyss.

Auszug aus dem Faltblatt zur Ausstellung
Der Titel dieser Ausstellung ist die letzte Zeile von Johann Wolfgang von Goethes vermutlich um 1815 verfassten Gedicht «Symbolum»: Wir heissen euch hoffen. Sein Titel «Symbolum» nimmt einen neuen und heute eher traurigen Beiklang an. Goethe — wie auch Schelling und Coleridge — trennen strikt zwischen Allegorie und Symbol. Während innerhalb der allegorischen Sprache ein Bild klar von seiner Vorstellung unterschieden werden kann, hat in der symbolischen Sprache das eine grundlegenden Anteil am anderen. Jener Ansatz im 18. Jahrhundert, Bilder und Begriffe miteinander zu verschmelzen, spiegelt den Versuch der Zeit nach der Aufklärung, organisches Leben in eine Welt einzuträufeln, in der nach rein abstrakten und mechanischen Prinzipien bewertet wird. Tatsächlich, wenn es etwas Wichtiges gibt, dessen sich die Romantiker bewusst waren, dann ist es das Bedürfnis nach «Neuen Mythologien» — und deshalb ein Beharren auf Symbolen.

Übersättigt von Bildern und in Angst vor Symbolen, die ein neues, gefährliches Leben in den Händen von totalitaristischen Köpfen, Fundamentalisten und libertären Unternehmern führen könnten, fällt es schwer einzusehen, dass Kunst ein Gebiet ist, auf dem das Leben und seine Symbole besser verhandelt werden können. Und aus diesem Grund ist sicherlich eine Übung wie diese hier — die gemeinsame Diplomausstellung von vierzehn Bachelor- und vierundzwanzig Masterstudierenden — von entscheidender Bedeutung. Ein Studienabschluss wird vollzogen, weil er eine wichtige Symbolik mit sich bringt: Es ist eine einzigartige Einladung anhand konkreter Gesten oder der Anlass nachzudenken, was es bedeutet einen Raum des Übergangs zu durchwandern, jene Passage vom Sein als Kunststudent_in hin zum Sein als Künstler_in. Nach dieser Ausstellung wird die Vorstellung Künstler_in zu sein konkret werden, nicht nur für sie selbst gegenwärtig, sondern ebenso für alle anderen. In diesem Sinne ist das, was wir sehen werden, keine rein pragmatische Präsentation der Resultate von zwei oder drei Jahren Erforschung dessen, was die Praxis der Kunst sein kann — jedenfalls nicht nur das. Was diese Ausstellung verkörpert, ist die sinnliche Umgebung, in der wir alle diese Individuen als Künstler_innen begrüssen. Es ist das, was wir Hoffnung nennen, jene Möglichkeiten, die Kunst und Künstler_innen unaufhörlich produzieren, um uns beim Prozess einer aktiven Teilnahme am Leben zu helfen. Was könnte das sein? Wie kann ein Werk oder einige oder viele Werke solch eine Kraft übertragen? Sind die Gebiete des Tastbaren, des Sichtbaren, des Hörbaren, des Schmeckens noch wichtig? Ist das Leben nicht bereits so sehr durch Normen und Zwänge beeinträchtig, dass wenig zu hoffen bleibt –außer auf ein Dasein, in dem wir wenigstens fähig sind, die eigenen Sorgen mit einer gewissen Würde zu ertragen?

Es stimmt, dass die Freiräume eingeschränkt sind und wir leben eine prekäre Existenz, in der es an Vorhersehbarkeiten und Jobsicherheiten mangelt. Materielle und geistige Fürsorge sind im wohlhabenden Norden und Westen zwar gegeben, doch das ohne ein Ideal, ohne eine Vorstellung dessen, was die ärmsten Menschen unter uns hier erwartet. Und somit ist eine Welt, die sich der Imagination einer Zweckbestimmung des Sinnlichen widmet – die uns hilft, wenigstens ein mentales Bild einer anderen Realität und eine wirkliche, sinnliche Erfahrung der Hoffnung zu erwerben — dringlicher denn je. Die Kunst und die Künstler_innen nähern sich an und überschreiten die pragmatische Wahrnehmung der Welt, sie verwandeln gewöhnliche Gedanken und Anliegen in das Verlangen nach anderen Formen der Intensität. Und durch die Lebendigkeit dieser Hoffnung bleiben wir fähig, uns zu erholen und zu erkennen, dass etwas getan werden muss und dass dessen Keime in Kunst und Kultur ruhen.
Text von Carolyn Christov-Bakargiev und Chus Martínez

KuratorIn: Carolyn Christov-Bakargiev, Direktorin Castello di Rivoli Museum of Contemporary Art sowie der GAM Galleria Civica, Turin, und Chus Martínez, Leiterin Institut Kunst HGK FHNW