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angekauft! Neuerwerbungen des Kantons Basel-Landschaft

16. März bis 2. April 2018

Vernissage: Donnerstag, 15. März 2018, 18.30 Uhr

Der Ankauf von Werken — ob von privat oder vonseiten der öffentlichen Hand — ist für viele Künstle-rinnen und Künstler ein wichtiges Förderinstrument. Es ermöglicht bisweilen, dass Materialien für die nächste Produktion angeschafft, die Ateliermiete bezahlt und man sich somit auf das Fortschreiben und Fortentwickeln des eigenen Werks konzentrieren kann. Angekauft zu werden ist aber auch eine wichtige Auszeichnung und Bestätigung für das eigene künstlerische Schaffen.

Das Kunsthaus Baselland zeigt nun in Kooperation mit kulturelles.bl die aktuellen Atelierankäufe des Kantons Basel-Landschaft und eine Auswahl der Ankäufe für die Sammlung des Bewegtbildes dot-Mov.bl in den Kabinetträumen. Gezeigt werden vollständig die 2017 getätigten Atelierankäufe der Künstlerinnen Sabine Hertig und Krassimira Drenska, die innerhalb der Ausstellung um weitere Werke inhaltlich ergänzt werden. Die Sammlung dotMov.bl ist eine vornehmlich webbasierte Sammlung, die an den Medienstationen der Kunsthalle Palazzo in Liestal und des Kunsthaus Baselland in Muttenz vollständig eingesehen werden kann. Von diesen Ankäufen zeigen wir in Kooperation mit den Künst-lerInnen die Arbeit Zürich 2.0 (2016), von Dirk Koy und die als Installation gedachte, auf die Räume des Kunsthauses adaptierte Arbeit Perpetual Operator (2016) von Dominique Koch.

Die ferner angekauften Arbeiten wie Earth (A Space Odyssey/Oddity, 2016) von Esther Hunziker, deren Werk aktuell im Kunsthaus Baselland mit einer grossen Einzelausstellung zu sehen ist, Stefan Karrers Cool clouds that look like they should be spelling something, but they don’t (2016), Rahel Sarasins Untitled (2015), Jannik Gigers Intime Skizzen (2016/17), und Esther Ernsts Short Attractions (2015), sind in absehbarer Zeit in vollumfänglicher Länge auf den oben genannten beiden Medien-stationen zu sehen. Die Arbeit Cockaigne (Schlaraffenland, 2014) von Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger wird aktuell im Rahmen der Ausstellung Sehnsuchtsorte bis zum 2. April im Kunsthaus Baselland präsentiert.

Unter Zuhilfenahme vielfältiger Techniken entwickelte die in Reinach lebende und arbeitende Künstle-rin Krassimira Drenska (*1947 in Sofia, Bulgarien) mehrere Werkgruppen, die sich allesamt einer organischen Formensprache bedienen. Die über mehrere Jahre entstandene Serie Summer Stills bewegt sich in einem poetischen Spannungsfeld zwischen lebender und toter Materie, Licht und Schatten, Lebensfreude und Melancholie. Sich einreihend in die künstlerische Tradition der «Nature morte», schafft Drenska durch sorgfältige Inszenierung scheinbar zufällige Arrangements und bannt in ihnen die zarte Flüchtigkeit des Moments. Entscheidend ist dabei die Qualität des sommerlichen Lichts, welches die Künstlerin auf Reisen durch Brasilien, Mexiko oder Neuseeland festhält. Mittels des eigens entwickelten Pigmentransfer-Druckverfahrens werden die Fotografien manuell auf Büttenpapier aufgetragen, wodurch die Arbeiten ihre traumartige, malerische Transparenz erhalten. Das botanische Vokabular findet sich in zwei grossformatigen monochromen Fotografien wieder sowie — in abstrahierter Form — in den Scarlatas, einer Serie von Aquarellen, deren Grundlage filigrane Rötelzeichnungen bilden. Grafisch erscheinen auch die Fotografien, die, teils monumental in der Grösse, Drenskas poetischen Blick auf die Natur wiedergeben. (Carole Ackermann)

In mehr als zehn Jahren ist das vielschichtige Werk der in Basel tätigen Künstlerin Sabine Hertig (*1982) entstanden. Kontinuierlich hinterfragt sie das Medium der analogen Collage und den damit verbundenen Umgang mit vorhandenen Bildern, hiermit das Medium zur Diskussion stellend. Aus einem gewaltigen Fundus an Magazinen, Zeitschriften oder auch Bildern aus dem Internet löst Hertig kleinere und grössere Teile heraus, um sie neu zu kombinieren. Es können nur zwei oder aber eine Vielzahl von Bildteilen sein, die sie so zu einem neuen Ganzen zusammenfügt. Die überraschende Wirkung, die jede ihrer Arbeiten aufweist – ob kleinformatig oder auch wandfüllend –, rührt von der stets exakten Auswahl und anschliessenden Neukombination des jeweiligen Motivs her. Gekonnt achtet die Künstlerin auf formale Ähnlichkeiten der zu verbindenden Teile. Auch die Stimmung und Lichtführung sowie der Inhalt der einzelnen Bildteile spielen bei der Auswahl eine wesentliche Rolle, unabhängig davon, ob Hertig auf ausschliesslich schwarz-weisse oder farbige Schnipsel zurückgreift. Für sie sei, so die Künstlerin, die Collage nicht nur ein technologisches Instrument, sondern ein Werkzeug des anschaulichen Denkens über eine Welt, die selbst zur Informationsmontage beiträgt.

Rätselhaft wirkt die räumliche Werkanordnung der Künstlerin Dominique Koch (*1983). Der Titel der Arbeit, Perpetual Operator, leitet einen auf die richtige Spur. Der feine Sound im Raum und die Qualle, ein Exemplar der für ihre Langlebigkeit bekannten Spezies Turritopsis dohrnii, vermag den Gedanken zu öffnen, dass es der in Basel und Paris lebenden Künstlerin um mehr geht als nur um eine ästheti-sche Auslegeordnung. Gespräche Kochs mit dem Soziologen Maurizio Lazzarato und dem Schrift-steller, Philosophen und Aktivisten Franco «Bifo» Berardi begleiten die Narration des Films, während die vokale Interpretation des DNA-Codes der Qualle von dem Musiker und Poeten Seijiro Murayama aus den feinen Öffnungen, Röhren und Kabeln an den Wänden in den Ausstellungsraum dringen. Damit erzählen sie zugleich von einem «Ausserhalb der Kunst» und legen dabei den Nährboden für die ideale Rahmung der Quallenart, deren DNA sich bis zu 14 mal regenerieren kann und damit der Endlichkeit zu trotzen scheint. Wissenschaftliche Untersuchungen, Poesie und Literatur, Annahmen und Sicherheiten sind das Material, mit welchem Dominique Koch ihre Werkkomplexe entwickelt und realisiert. Das Draussen mit dem Drinnen zu verbinden, nicht nur räumlich, sondern auch gedanklich, ist dabei ein wesentliches Moment.

In der Videoarbeit Zürich 2.0 von Dirk Koy (*1977) stehen Realität und ihre digitale, manipulierte Re-produktion im ständigen Wechselspiel zueinander. Die 360-Grad-Animation mit Musik von Niki Reiser eröffnet für die BetrachterInnen eine erstaunliche, teils fantastische, teils realistisch anmutende Reise durch die digital animierte und zugleich manipulierte Stadt Zürich. Dabei bedient sich der in Mün-chenstein tätige und in Allschwil lebende Künstler der Technik der Photogrammetrie. Einzelne Stadt-teile werden als 3D-Scan erstellt und im dreidimensionalen virtuellen Raum neu verortet. Immer tiefer scheint der Betrachter respektive die Betrachterin in das Innere einer Stadt einzudringen – einer Stadt, die nicht als gebaute Behauptung, sondern vielmehr malerisch, wandelbar, aber auch vergänglich erfahren wird. Gerade der Sound verführt das Gegenüber zum Schauen und Staunen. Nicht von ungefähr lohnt sich auch eine gedankliche Verknüpfung der Arbeiten von Sabine Hertig und Dirk Koy, die beide auf dem Dreispitz ihr Atelier haben und immer wieder im Austausch zueinander stehen. Koy leitet darüber hinaus ein Büro für Motion Design und Experimentalfilm und ist als Dozent für Time Based Media am Institut Visuelle Kommunikation der HGK Basel tätig. (Ines Tondar)