Künstler:

Boris Rebetez – Columnist

Im Rahmen von ‚4 Solos for the Kunsthaus Baselland‘, kuratiert von Ines Goldbach.

Columnist nennt Boris Rebetez seine Einzelausstellung im Kunsthaus Baselland und auch die Publikation, die anlässlich der Ausstellung erscheinen wird. Nicht von ungefähr wird der Leser bereits mit diesem Titel auf eine Gedankenfährte durch Ausstellung und Katalog geschickt. Denn ist es nicht der Kolumnist, der in Zeitschriften, Zeitungen oder Magazinen aktuelle Geschehnisse kommentiert, seine Haltung dazu äussert und damit den Lesern den Blick durch eine andere Brille ermöglicht? Diesen etwas anderen Blick auf die Realität ermöglicht einem Rebetez mit seinen Eingriffen.

Sichtbar machen, was bereits vorhanden ist? Diese künstlerische Motivation mag im ersten Moment vielleicht seltsam klingen. Denn warum etwas herausheben, was bereits da ist und sich vielleicht als Geschichte und Erinnerung in den Raum und seine Elemente eingeschrieben hat? Boris Rebetez aktiviert mit seinen skulpturalen Interventionen Räume – Aussen- wie Innen- räume – und lässt dadurch etwas sichtbar und erfahrbar werden. Seine Eingriffe, meist architektonische Einbauten, sind stets präzise gesetzt. Sie folgen der Logik des Raumes. Rebetez besetzt mit seinen Arbeiten nicht Raum, sondern räumt, schafft Platz, akzentuiert und betont. Er geht mit dem um, was gegeben ist, sich in Schichten verbirgt und konstituiert mit seinen Eingriffen eine neue Lesart des Raums.

Im Kunsthaus Baselland baut er in das Stützsystem der Kabinetträume zusätzlich zwei voluminöse Säulen ein, die an dieser Stelle einen konstruktiven Sinn ergeben könnten, nicht aber in dieser Grösse. Denkt man an den Titel zurück, Columnist, könnte man diesen auch assoziativ lesen, ausgehend vom englischen Begriff column. Der Columnist ist demzufolge jemand, der mit Säulen umgeht. Aus einer dieser Säulen werden über 80 Schwarz-Weiss-Fotografien projiziert, die detaillierte Einblicke in eine Palastarchitektur aus dem 19. Jahrhundert geben. Wo dieser steht, um welchen es sich genau handelt, all das erfährt der Zuschauer nicht. Es ist mehr ein Einblick nehmen in einen bestimmten Typ von Architektur und eine bestimmte, längst vergangene Zeit. Einer Erzählung gleich – und doch ohne Anfang und Ende –, wird der Zuschauer nach und nach in die Erinnerung, oder sagen wir besser in das Archiv und den Speicher eines Ortes geführt. Schicht um Schicht kann er sich darin verlieren, in eine andere Zeit und einen anderen Ort begeben, während er sich inmitten der echten und doch auch falschen Säulen des Kunsthauses befindet.

Geht es hierbei daher nicht auch um das Verhältnis von Fotografie, die an einen Ort erinnert, der vielleicht im Moment des Ansehens gar nicht mehr vorhanden sein könnte, nur noch an denselben erinnert und an die realen, erlebbaren Elemente im tatsächlichen Raum? Und geht es nicht auch darum, was sich in jeder Säule an (kunsthistorischer) Erinnerung eingeschrieben hat und sei sie auch noch so banal? Und auch darum, wie wir uns selbst in dem jeweiligen Raumangebot verorten?

Rebetez lässt mit seinen Raumerkundungen den Betrachter zum Teilnehmer werden und liefert, ähnlich wie der Kolumnist, mit seinem Beitrag für das Kunsthaus Basel- land jeweils einen speziellen Kommentar zum Ort und der Architektur des Hauses. Wie viel Zeit hat sich hier eingeschrieben, wie viele Geschichten? Wie ist die Architektur des Hauses zu verstehen und nachzuvollziehen, was wurde nachträglich gebaut, verbaut, freigelegt, geöffnet und geschlossen? Boris Rebetez ermöglicht uns einen speziellen Blick Räume und Zwischenräume des Kunsthauses und erzählt dabei auch neue und fremde Geschichten.

(leicht veränderter Auszug aus der Publikation Columnist, herausgegeben von Boris Rebetez und Ines Goldbach, die am 5. Februar zum Werkgespräch mit dem Künstler im Kunsthaus Baselland erscheinen wird).

Boris Rebetez

1970 in Lajoux (Schweiz) geboren, arbeitet und lebt Boris Rebetez seit einigen Jahren in Basel. Interessiert an der Veränderung von Raumspannung und Raumatmosphären wird Rebetez für das Kunsthaus Baselland in die Architektur der oberen drei Kabinetträume mit einer ortsspezifischen Installation eingreifen und ihn zu einer Art Passage umwandeln. Boris Rebetez studierte u.a. an der Schule für Gestaltung in Basel und in Biel, war 2008 Stipendiat am Istituto Svizzero, Rom, erhielt 2006 Manor Kunstpreis Basel und 2001 das Atelierstipendium der Christoph Merian Stiftung in Edinburgh. Vertreten war Rebetez zuletzt u.a. in Einzelausstellungen Galerie Von Bartha (Syndrôme temporel 2013), Kunstmuseum Solothurn (Anticipation, 2010), oder dem Museum für Gegenwartkunst, Basel, (Two-story house, 2006) sowie in zahlreichen Gruppenausstellungen wie in der Kunsthalle Basel, dem Goethe Institute New York, Witte de With Rotterdam oder im Kunsthaus Aarau.

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