Künstler:

Bruno Jakob

31. August bis 6. November 2016

 

Publikation: Zur Ausstellung von Bruno Jakob erscheint in der edition fink ein Katalogbuch mit Textbeiträgen von: Susanne Bieri, Bruno Botella, Chris Bünter, Bice Curiger, die nomadisierenden veranstalter, Silvia Buol, Simon Baur, Fanni Fetzer, Christian Fluri, Ines Goldbach, Vinzenz Hediger, Thomas Huber, Gianni Jetzer, Roman Kurzmeyer, Heidy Lambelet, Marlene McCarty, Niggi Messerli, Donald Moffett, Claudia Müller, Sabine Rusterholz-Petko, Beat Wismer, Hans Witschi, Eveline Wüthrich. Hg. Ines Goldbach, Kunsthaus Baselland, Konzept und Redaktion: Bruno Jakob, Ines Goldbach, Georg Rutishauser, Gestaltung: Georg Rutishauser, Verlag: edition fink, Zürich.

 

Die Publikation erscheint in der Reihe der Binding Sélection d’Artistes (Nr. 62).

 

Events: Donnerstag, 20. Oktober um 18.30 Uhr
Performance mit Bruno Jakob und Hans Witschi und Katalogvorstellung. Weiteres Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm unter Events. 

 

Zu den Arbeiten von Bruno Jakob

Bruno Jakob ist einem breiten Publikum vor allem durch seine Teilnahme an der Biennale in Venedig 2011 sowie durch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland bekannt. Seine Handschrift entwickelte Jakob durch seinen spezifischen Umgang mit Malerei und Zeichnung, bei denen er Energien, innere und durch Fotografie oder Zeichnung geschaffene Bilder – meist mit Pinsel und Wasser – in einem performativen Akt auf unterschiedliche Bildträger bringt. Der 1954 in Jegenstorf geborene Künstler, der seit 1983 vornehmlich in New York lebt, realisiert nun im Kunsthaus eine retrospektiv angelegte Einzelausstellung, die erstmals einen umfangreichen Einblick in sein faszinierendes Werk zulässt.

Auszug aus der Publikation Bruno Jakob:

„Uns führt der Wunsch zusammen, eine Ausstellung im Kunsthaus Baselland zu realisieren, die einen Überblick über sein Œuvre in Auszügen zeigt, trotz der Prämisse, auf vieles nicht mehr zugreifen zu können. Beim Öffnen der unzähligen Kisten, dem Auspacken von Leinwänden, Bilderrollen, gestapelten Zeichnungskonvoluten, Fotografien, Magazinen, Skulpturen und Objekten und ebenso den vielen Gesprächen in New York, Basel oder andernorts wird deutlich, wie vielfältig Bruno Jakobs nunmehr rund 40 Jahre anhaltendes Schaffen ist. In Kisten lagern Hunderte von Blätter umfassende Serien an Körper- und Indianerzeichnungen; mal zeichnerisch mit Farbstift, mal malerisch mit dem Pinsel ausgeführt. Eine Serie, die Jakob in den 1980er-Jahren begann. Oder die Serie mit dem wunderbaren Titel Meine sichtbaren Gedanken während der heissen Zeit, die im Juli 1983 in Basel entstand. Ebenso hier: Hunderte von Grafitzeichnungen auf DIN-A4-Blöcken, umsichtig zu je einem Tag in Schubern zusammengefasst. Diese Schuber, für die Bruno Jakob dezidiert unterschiedliche Farbigkeiten wählte, sind für den Künstler mehr als nur Hülle und Schutz. Sie lagern, erinnern, nehmen auf und stehen gleichsam objekthaft im Raum.

Auch im Gegenüber mit den grossen, monochrom in Acrylfarbe grundierten Gemälden aus dem Jahre 1986, mit Titeln wie Geometrische Bilder oder Untitled, kann man die Spuren des Auftragens der geometrischen Figuren auf der monochromen blauen oder roten Oberfläche nur erahnen. Im Sommer jenen Jahres hatte sich der Künstler in Reinach eigens für diese Serie ein grosses Studio gemietet, um dort mehrere Gemälde auszuführen. Auf der Rückseite der einzelnen Arbeiten sind kleine Skizzen angeheftet, die grob aufzeigen, was auf der Vorderseite als Motiv von ihm gemalt wurde. Eine Fotoserie aus jenen Tagen in Reinach zeigt die Bilder im noch feuchten Zustand – und dabei die gemalten Motive. Beides also ein Beweis dafür, dass tatsächlich etwas auf den Leinwänden gemalt wurde? Eher eine Gedankenstütze, fügt Bruno Jakob an. Was sich in diesen Zeichnungen, Fotografien auch im Hinblick auf die Körperzeichnungen deutlich zeigt und in seinen Invisible Paintings sonst nur schwer nachvollziehbar ist: Bruno Jakob malt, zeichnet und arbeitet sowohl abstrakt als auch figürlich. Und mehr noch: Er hat es im Laufe seiner künstlerischen Karriere geschafft, das scheinbar Unvereinbare zu verbinden.

Dieser Gedanke, alles im Fluss zu behalten und sich nicht auf eine Richtung festlegen zu müssen, spiegeln auch seine Rollbilder oder auch Faltbilder wie Grün wider, die in den späten 1970er-Jahren entstanden sind. Viele Meter umfassende Leinwandtücher, die Bruno Jakob teils in kräftigen bunten Farben, teils in verschiedenen Grün- oder Blautönen auf beiden Seiten mal gestisch, mal monochrom bemalte. In letzter Zeit zeichnet Jakob – in der linken Hand den Pinsel, in der rechten eine kleine Digitalkamera haltend – seine Performances im Moment der Ausführung selbst auf. Erwischt man einen dieser seltenen Gelegenheiten, für eine kurze Weile einen Blick durch diese Kamera zu erhaschen und dem Künstler über die Schulter zu blicken, zeigt sich eines deutlich: Jede Geste, Linie, jeder Schwung oder Kreis bekommt seine Sinnfälligkeit – zeichnet Objekte im Raum, skizziert oder malt auf ausgebreiteten Oberflächen oder dem Computerscreen die „Images“ des Künstlers. (IG)

Kuratorin: Ines Goldbach, Direktorin Kunsthaus Baselland

 

Für die Unterstützung von Ausstellung und Publikation danken wir:

Sophie und Karl Binding-Stiftung, Aargauer Kuratorium sowie weiteren Förderern, die nicht genannt werden möchten

 

Kurzbiografie

1954 Geboren/Born in Jegenstorf (CH), 1976–1978 Malklasse Kunstgewerbeschule Basel, 1978–1981 Kunstakademie Düsseldorf, Germany, 1983 Lebt/Lives in New York City (USA)

 

Ausstellungen (Auswahl):

2015: “Sammeln / Ent-Sammeln”, Projektraum des Deutschen Künstlerbundes, Berlin, Germany, Nov. 21 – Feb. 19, „ÜBERZEICHNEN. Von Basel aus“,  Kunsthaus Baselland, Basel, Switzerland, cur. Ines Goldbach, Cécile Hummel, Sep. 18 – Nov. 15; White Noise, Kunsthaus Glarus, Glarus, cur. Sabine Rusterholz, May. 17 – Aug. 16; Bruno Jakob: Hovering and Pulsing, Galerie Peter Kilchmann, Zurich, April 23 – May 30; Belle Haleine. The Scent of Art, Museum Tinguely, Basel, cur. Annja Mueller-Alsbach, Feb. 10 – May 17; 2014 On the border, Aargauer Kunsthaus, Aarau, cur. Thomas Schmutz, Dec. 6 – Apr. 12; Unikat – Unicum. Künstlerbücher / Livres dʼartistes / Artistsʼ books, Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek, Berne, cur. Susanne Bieri, Andrea Giger, Nov. 22 – Feb. 28; Abstrakt, Spam Contemporary, Dusseldorf (D), Sept. 20 – Oct. 25; Friendly Takeover. Artists show their collection, Marta Herford, Herford (D), June 28 – Oct. 5; Ñewpressionism in Milan, 1,11,111. From Screen to Nature and Back Again, Istituto Svizzero di Roma, Milan, introduced by Miltos Manetas, June 11 – July 19; Nowhere but Somewhere, Galerie Samy Abraham, Paris (F), March 21 – May 17; New York, Kunsthalle Palazzo Liestal, Liestal, cur. Eveline Wüthrich, Feb. 22 – Apr. 6; Desiderata, Aargauer Kunsthaus, Aarau, cur. Madeleine Schuppli, Jan. 25 – Apr. 21; Milky Way. A Layer of Snow and a Layer of Silence, undisclosed site: Elevation 1743.2, cur. Gianni Jetzer, within the concept of Elevation 1049, Jan. 25 – March 8; Bruno Jakob. The Visitors, Kolumba, Cologne (D), cur. Barbara von Flüe, Jan. 15 – May 5; 2013: At Work. Studio and Production as a Subject of Todayʼs Art, Museum für Gegenwartskunst Siegen (D), cur. Roman Kurzmeyer, Eva Schmidt, Nov. 17 – Mar. 9; 100 Jahre Meret Oppenheim, Basel, cur. Simon Baur, Silvia Buol, Aug. 15 – Oct. 24; The Shining Path, Galerie Samy Abraham, Paris (F), June 21 – July 27; Mixed Message Media, Barbara Gladstone Gallery, New York (USA), cur. Neville Wakefield & Nathaniel Axel, June 20 – Aug. 2; Bruno Jakob THE TOUCH (Forbidden Pictures), Grossmünster, Zurich, cur. Chris Bünter, June 1 – June 30; Maximal Minimal, Kulturforum Alte Post, Neuss (D), cur. Klaus Richter, Apr. 7 – May 7; La Cavalerie, Centre dʼArt Neuchâtel, cur. Arthur de Pury, Feb. 23 – Apr. 13; 2012: Nouvelles boîtes!, Kunstmuseum Luzern, Lucerne, cur. Fanni Fetzer, July 7 – Oct. 21; Invisible, Hayward Gallery, London (UK), cur. Ralph Rugoff, June 11 – Aug. 5; Unusual Things Happen, Galerie Peter Kilchmann, Zurich, Mar. 2 – Apr. 14; Monochrome, Salts, Basel, cur. Samuel Leuenberger, Feb. 17 – Apr. 8; 2011: Vis à vis, Rossi Contemporary, Brussels (B), cur. Philippe Braem, Dec. 3, 2011 – Jan. 31, 2012; No color in your cheeks unless the wind lashes your face, IOP, www.itsourplayground.com, cur. Timothée Chaillou, Oct. 15 – Nov. 15; Beispiel Schweiz, Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz (FL), cur. Roman Kurzmeyer, Sept. 30 – Jan. 15; Die phantastischen Vier – Zürich konkret, Haus Konstruktiv, Zurich, cur. Dorothea Strauss, Aug. 26 – Oct. 23; Illuminations, 54. Biennale di Venezia, Venice (I), cur. Bice Curiger, June 4 – Nov. 27; 2010: Die Nase des Michelangelo, Galerie Peter Kilchmann at Marktgasse, Zurich, Dec. 10 – Dec. 19; The Evryali Score, David Zwirner, New York (USA), cur. Olivia Shao, June 29 – July 30; Greater New York, MoMA/ PS1, New York (USA), cur. Olivia Shao, May 7 – June 30; 2009: Golden Agers & Silver Servers, Kunsthaus Baselland, Muttenz, cur. Sabine Schaschl and Christoph Doswald, Aug. 9 – Oct. 4; Positionen09, Das Seewerk, Moers (D), June 13 – Sept. 15; Boden und Wand, Wand und Fenster, Zeit, Helmhaus, Zurich, cur. Roman Kurzmeyer, Feb. 5 – Mar. 29

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Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016. Foto: Gina Folly

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Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016. Foto: Gina Folly

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Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2016. Foto: Gina Folly

bruno jakob,untitled basel 1983, invisible paintings : 33 years still collecting. foto- marlene mccarty

Bruno Jakob, Untitled Basel 1983, Invisible Paintings : 33 Years Still Collecting. Foto: Marlene McCarty.

Bruno Jakob, 2015

Bruno Jakob, Performance Kunsthaus Baselland 2015.