Künstler:

DORIS LASCH

20. Januar bis 19. März 2017

Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm siehe unter Events

 

Im Rahmen ihrer ersten grossen institutionellen Einzelausstellung in der Schweiz untersucht Doris Lasch (*1972) unterschiedlichste Formen der Bildproduktion. In einer Zeit, in der das fotografische Bild allgegenwärtig zu sein scheint und die Menge an fotografisch hergestellten und zugleich digital veränderten Bildern stets zunimmt, ermöglicht die in Basel tätige und wohnhafte Künstlerin ein kritisches Hinterfragen der Prozesse des Bilder-Generierens mit den Mitteln und Funktionsweisen der Fotografie. Auf unterschiedliche Weisen werden Momente respektive Möglichkeiten der Bildentstehung in das Ausstellungssetting integriert. Zwischen Installation, räumlicher Intervention, Fotografie und Skulptur inszeniert Doris Lasch Formen und Fragmente einer fotografischen Sprache und nimmt ebenso auf die umgebende Architektur des Ausstellungsraumes Bezug.

In einer Art Parcours wird der Besucher durch die Räume im Erdgeschoss des Kunsthaus Baselland sowie die Kabinetträume geführt. So kann er einer breit angelegten Auslage an Werken begegnen, die einerseits unterschiedliche Medien aufweisen, andererseits konsequent der Frage nach dem Erzeugen von Bildern nachgehen. Zu sehen sind Skulpturen wie Phantom, 2016, aus schwarz lackiertem Aluminiumblech, die im Kontext der Ausstellung unweigerlich an einen Kamerabalgen denken lässt; daneben Rauminstallationen, die in Verbindung mit der Architektur teils rätselhafte Ein- und Ausblicke ermöglichen oder in ein Kameraelement hineinzuführen scheinen; Fotografien, die das Setting eines Fotostudios nachempfinden und doch in der präzisen kompositorischen Setzung rätselhaft bleiben – nicht zuletzt dadurch, dass der Blick der Kamera sich scheinbar gedreht hat und statt des Motivs die Voraussetzung der Bildentstehung fotografisch festhält.

Die konsequente Verhandlung und Hinterfragung des Mediums Fotografie gelingt Lasch mit unspektakulär wirkenden, analogen, teils ephemeren bildnerischen Mitteln, die gerade in der präzisen Anwendung ihre Faszination erhalten. Unterschiedliche Projektionsflächen und Trägerstoffe, variierende Techniken wie die Drucktechnik der Heliogravüre oder auch die Behandlung von Leinwänden mit lichtempfindlichen Emulsionen, der Umgang mit Licht und Schatten usw. werden auf unterschiedliche Weise angewendet oder bildhaft zitiert. Fragmente, die mit bestimmten Apparaturen der Aufnahme konnotiert sind, werden teilweise extrahiert, unvermittelt als reale Objekte im Raum formuliert oder skulptural vergrössert. Sie richten so den Blick des Betrachters auf die Ausstellungsräumlichkeiten als Ort der Aufnahme selbst.

 

Doris Lasch *1972 in Landsberg am Lech, lebt und arbeitet in Basel
1994–2000 Akademie der Bildenden Künste, München; 1998–2011 Kooperation mit Ursula Ponn als Künstlerduo „Doris Lasch / Ursula Ponn“; 2001 Arbeitsstipendium auf Akademie Schloss Solitude in Stuttgart; 2002 einjähriges DAAD-Stipendium in Brüssel; 2003–2005 zweijähriges Postgraduiertenstipendium an der Jan van Eyck Academie in Maastricht; 2002-2008 Aufenthalt in Brüssel; 2008 Umzug nach Basel; 2010 Swiss Art Award, Bundesamt für Kultur, Bern; 2011 Gastdozentur an der Hochschule der Künste Bern (HKB Bern), Departement Fine Arts


Einzelausstellungen (Auswahl): 2014 Un premier état (EAC les halles, Porrentruy, CH); Le Double (Galérie du Granit, Belfort); 2010 Die Verwendung des Materials (Les Urbaines, Galerie Lucy Mackintosh, Lausanne); 2009 If you don’t create your own history, someone else will (Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main); 2008 Spiegel (Städtische Kunsthalle, lothringer13, München); 2007 As far as we went back (Artis, s’Hertogenbosch); 2006 You’re all the world to me (Montgomery, Berlin); 2005 Through the back door of a public secrecy (Palais des Beaux-Arts, Brüssel); In der Ferne wäre die Strasse zu hören gewesen, mit Ursula Paletta (Galerie Royal, München); 2003 Die Identitäten der Antihelden (Galerie Iris Kadel, Karlsruhe); La cave (Établissement d’en face projects, Brüssel); 2001 Some non-chronological collections (Akademie Schloss Solitude, Stuttgart)

Bild 144

Doris Lasch, Phantom 2016 (links) und
Quelques erreurs d‘interprétation 2016 (rechts),
Installationsansicht Kunsthaus Baselland, 2017.
Foto: Serge Hasenböhler

Bild 189

Doris Lasch, Paravision 2016,
Installationsansicht Kunsthaus Baselland, 2017.
Foto: Serge Hasenböhler