Künstler:

Esther Hunziker

25. Januar bis 2. April 2018

 

Vernissage: Mittwoch, 24. Januar 2018, 18.30 Uhr

 

Presserundgang: Dienstag, 23. Januar, 9 und 12 Uhr

 

HI THERE. Schwarze, grosse Lettern empfangen die BesucherInnen. Wir kennen diese Ansprache vor allem aus Spam Mails, Chatbots oder Videologs als informelle Begrüssung, die sich von unbenannter Seite an einen unbekannten Empfänger wendet. «Hi there, is there anybody out there?» Es ist diese Suche nach Interaktion mit dem Unbekannten da draussen, mit denen sich Esther Hunziker in ihren Arbeiten beschäftigt. Dabei setzt sie das grosse Unbekannte ausserirdischer Formen in Bezug zu ganz irdischen, alltäglichen «alienartigen» Strukturen des Fremdseins in und um uns. Auf der gesamten Ebene des Untergeschosses des Kunsthauses führt die Künstlerin den Besucher durch einen neuen Werkkomplex, in welchem Gegensätze wie das Unbekannte und Vertraute, das Nahe und Ferne, das Geistige und Körperliche, das Mechanische und Organische aufeinanderprallen. In der grossen Auslegeordnung von Druckbögen im ersten Raum gibt die Künstlerin Einblick in eine persönliche Assoziationskette, in der sie unterschiedlichste und dezentrale Quellen zu einer umfassenden Materialsammlung zum Thema «Alienation» zusammenträgt. Sie sucht darin nach Bezügen der Entfremdung in und um uns — nach sozialer Entfremdung und Isolation im Zeitalter vernetzter, digitaler Kommunikation sowie fremden, uns unbekannten ausserirdischen Formen und Vorstellungen. Die Marx’sche Theorie der Entfremdung trifft hier auf Gefühlsströme junger YouTube-Streamer, Aufzeichnungen von Meteoriteneinschlägen stehen Bildern nichtidentifizierbarer Laborräume gegenüber, Forschungsansätze aus der Exobiologie vermischen sich mit Textbeispielen anonymer Chatbots, narzisstische Selfies beziehen sich auf Artefakte unbekannter Spezimina, Aufnahmen eigener Arbeitsskizzen stossen auf standardisierte Stock-Fotografien… Das Fremde trifft auf das Wohlbekannte, das Rätselhafte auf das Benennbare. «Das wissenschaftliche Projekt SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence)», so die Künstlerin im Gespräch, «sucht seit Jahren das Weltall nach extraterrestrischen Signalen ab, und sie haben das gleiche Problem wie wir — das grosse Rauschen. Wie erkennt man relevante Signale, wenn alle Frequenzen besetzt sind?» Das grosse Rauschen wird denn auch im zweiten Raum spürbar. Auf sechs Monitoren sind objektartige Wesen zu sehen, die alle gleichzeitig sprechen. Ihre Körper erinnern an Steinformationen oder fremde Meteoriten, ihre Sprache hingegen ist menschlich, banal und alltäglich. Es ist ein Stimmengewirr aus originalen Audiospuren von aktuellen Video- Streams, Texte von realen Menschen, die Kameras auf sich selbst richten und ihre Gefühle mitteilen, welche sie online jederzeit mit allen und doch niemandem im Spezifischen teilen. Esther Hunziker entnimmt diese «Gefühle» aus den Nonstopströmen der globalen Netzwerke und gibt der Sprache einen neuen Körper. Sie nennt ihre Hybridwesen «Specimens», sogenannte wissenschaftliche Exemplare, die sie in den Monitoren konserviert und als «fremde» Objekte präsentiert. Dezidiert verhandelt Hunziker im Zeitalter der Digitalisierung, wie sich Realität und Fiktion immer mehr vermischen, wie Identitäten austauschbar erscheinen und sich mit anderen permanent abgleichen lassen. Es ist der virtuelle Exhibitionismus der Netzsubjekte, der sich in den gesprochenen Texten der Video-Blogger widerspiegelt — eine konstante Suche nach dem «Ich im Netz», nach der Zugehörigkeit «in der
Welt». Wir alle sind Touristen, die wir uns an einem Ort befinden, ohne von diesem Ort zu sein, in einer Art Transitraum und in einer Art Transitzeit.
— HI THERE! (IG)

Esther Hunziker (*1969) ist Künstlerin, Mediengestalterin und Dozentin für digitale Medien am Institut Kunst in Basel. Seit 1996 zahlreiche Ausstellungen und Festivals im In- und Ausland. Studium der Videofachklasse an der Schule für Gestaltung SfG, Basel.

 

Veranstaltungen

Einführung für Lehrkräfte
Mittwoch, 24. Januar 2018 | 14:00
mit Christina Schmitt

 

Vernissage: Esther Hunziker, Sehnsuchtsorte, Solo Position: Nicole A. Wietlisbach
Mittwoch, 24. Januar 2018 | 18:30
Begrüssung und Einführung: Marina Meijer, Präsidentin Kunstverein Baselland Esther Roth, Leiterin kulturelles.bl Ines Goldbach, Direktion Kunsthaus Baselland

 

Familiensonntag
Sonntag, 28. Januar 2018 | 11:00 – 17:00
Freier Eintritt für Familien in die Ausstellung

 

Mittagsführung
Mittwoch, 31. Januar 2018 | 12:15
Mit Christina Schmitt

 

Einführung für Lehrkräfte
Mittwoch, 31. Januar 2018 | 14:00
mit Christina Schmitt

 

Familiensonntag
Sonntag, 25. Februar 2018 | 11:00 – 17:00
Freier Eintritt für Familien in die Ausstellung

 

Mittagsführung in französischer Sprache
Mittwoch, 7. März 2018 | 12:15
Mit Fanny Grezet. Auch für Schulen geeignet.

 

Familiensonntag mit Workshop
Sonntag, 25. März 2018 | 11:00 – 17:00
Freier Eintritt für Familien in die Ausstellung
14:00 – 16:00 Familienführung und –workshop mit Künstlerin Katharina A. Wieser. Unkostenbeitrag 5 CHF/ Person. Mit Familienpass 4 CHF/ Person. Anmeldung bis 21.03.18.

 

Abendrundgang und Book Launch Esther Hunziker: Hi There
Dienstag, 27. März 2018 | 18:30
Mit Esther Hunziker und Ines Goldbach

 

Finissage
Montag, 2. April 2018 | 11:00 – 17:00
Ostermontag – Ganztags geöffnet bei freiem Eintritt

Esther Hunziker, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2018. Foto: Gina Folly