Künstler:

Jan Hostettler

BEWEISE
Auf der gesamten Ebene des Untergeschosses des Kunsthauses führt der in Basel tätige Jan Hostettler den Besucher in eine Abfolge an neuen Werken, installativen Arbeiten und Vorgängen, die sein anhaltendes Interesse aufzeigen: seine dezidierte Spurensuche von eigenen und fremden Eingriffen im öffentlichen und institutionellen Raum und deren Auswirkungen auf unser alltägliches Leben. Es sind kritische, aber auch poetische und humorvolle Arbeiten, mit denen Hostettler unser Agieren und alltägliches Funktionieren in der Welt befragt und uns zugleich eben dafür sensibilisiert.

Im ersten Raum des Untergeschosses bedeckt eine grünlich schimmernde, dicke Wachshaut Partien des Ausstellungsbodens und die im Raum neu eingebaute Wand. Einer im Raum stehenden riesigen Leinwand gleich, benutzt Hostettler diese Wand ähnlich wie eine Oberfläche für seine spezielle Malerei. Zum Erhitzen gebracht, presste er zuvor durch einen mehrere Meter langen horizontalen Wandschlitz rund 200 Liter flüssiges Paraffin. Das flüssige, mit Malachit gefärbte Material floss in unterschiedlich dichten Bahnen sowohl über die von ihm entworfene Wand als auch über den Boden davor und lässt eine dicke Wachsschicht zurück. Das Ergebnis gleicht einer gewaltigen malerischen Geste und erzählt zudem von einer unmöglichen Möglichkeit, mit all den genannten Mitteln und Umständen ein solches Werk zu schaffen. BEWEISE nennt Hostettler seine Ausstellung, die den Besucher in ein komplexes und vielschichtiges Werk eintauchen lässt, das von Grenzüberschreitungen, Wagnissen und bisweilen kühnen Entdeckungen des Künstlers erzählt, die er meist im Gehen und Wandern durch Landschaften und städtische Gefüge erfährt und die ihn zu Handlungen verleiten.

Seine Eingriffe sind meist zart, feinsinnig und temporär. Seit Längerem etwa spürt der Künstler Löcher in Hauswänden, auf Mauerwerk und Oberflächen im urbanen Kontext auf und füllt diese mit in Wasser gelöster Kreide. Die weisse Flüssigkeit rinnt unmittelbar die Wand hinunter und hinterlässt feine Spuren, die nur für eine kurze Dauer sichtbar sind. Doch weit mehr als nur eine humorvolle Geste zu sein, wird dieser künstlerische Akt zu einer zeitlich beschränkten, feingliedrigen Zeichnung im öffentlichen Raum, der das Gehen und Handeln zu einem sinnlichen Akt werden lässt.

Künstlergespräch und Buchvernissage
Jan Hostettler
Mittwoch, März 18, 2015 | 18:00

Kunst über Mittag. Impulse für den Alltag
zur Ausstellung von Jan Hostettler
Donnerstag, April 9, 2015 | 12:15–13:00

Jan Hostettler BEWEISE 2015

Jan Hostettler BEWEISE, Kunsthaus Baselland, 2015 Foto: the artist