Künstler:

Katharina Hinsberg

Die raumfüllende Installation Feldern (Farben) der Künstlerin Katharina Hinsberg hat den Annex des Kunsthauses mit seiner rund 36 Meter ­langen Wand grundlegend gewandelt – und dies mit einem speziellen Material. Hauchdünne, 20-grammige Seidenpapiere wurden von der Künstlerin in 16 verschiedenen Farben hintereinandergeschichtet und in einem Raster von quadratischen Feldern über die gesamte Wand montiert. Die unterschiedlichen Farbklänge und Papierschichten sind dank der Transparenz des Materials, aber auch abhängig von der Luftbewegung im Raum, mal mehr und mal weniger sichtbar. Im Laufe der mehrwöchigen Laufzeit der Ausstellung werden nun durch die Künstlerin sowie durch befreundete (Basler) Künstlerkollegen immer wieder neue Bilder und Farbkombinationen erstellt.

Das erste Bild bzw. die erste Grundfigur, die die Künstlerin mit der partiellen Wegnahme der obersten Blätter gesetzt hat, entspricht einer durchgehenden, flächenfüllenden Linie, die über die gesamte Wand ohne Unterbruch läuft. Dieses erste Bild ist Voraussetzung für alle folgenden Bilder und Veränderungen. Durch die schichtweise Entfernung der Blätter können neue großflächige Farbfelder und Muster entstehen, die auf vorausgegangene Setzungen reagieren, diese fortentwickeln oder auch teilweise annullieren – ein Prozess, bei dem sich die Rezeption des Farbraumes mit dessen beständiger Veränderung verknüpft.

Katharina Hinsberg verhandelt innerhalb ihres Werkes, das sowohl von der Malerei als auch von der Zeichnung her kommend lesbar ist, eine wichtige Fragestellung an das Bildvermögen: Ist das Bild ein anschauliches, bewegliches Gefüge, das den Raum, die Zeit wie auch Handlungen und Prozesse respektiert, miteinbezieht und zugleich das ihm zugrunde liegende Vermögen darlegen kann? Doch trotz dieses offenen, den Be­sucher einschliessenden Bildkonzeptes ist Katharina Hinsberg die durchgehende Präzision des entstehenden Raumbildes wichtig. Sie selbst wird innerhalb der mehrwöchigen Laufzeit der Ausstellung einige Male in das sich verändernde Bild eingreifen und so einen anhaltenden Austausch über das Werk zwischen der Künstlerin und dem Besucher ­ermöglichen. Hinsberg diskutiert mit diesem Werkbeitrag zugleich die Frage nach dem traditionellen Bildbegriff. Ihr im Kunsthaus geschaffenes Bild ist eines, das sich beständig ändert, Monumentalität beansprucht, zugleich aber dafür auf ein Material zurückgreift, das kaum zarter und flüchtiger sein könnte. Auch spielt die Künstlerin bereits mit dem Titel Feldern (Farben) bewusst auf die Farbfeldmalerei der 1950er Jahre an, die ihren Ausgang vornehmlich in den USA nahm und sich u. a. mit der Wahrnehmung unterschiedlicher Farbflächen auf teils sehr gross-­formatigen Leinwänden beschäftigte. So erzählt das Werk im Kunsthaus Baselland viel von der künstlerischen Strategie der Künstlerin, ein Werk aus einem gegebenen Raum heraus entstehen zu lassen, die Wahrnehmung sowie die physische Erfahrung mit diesem Ausstellungsraum grundlegend zu verändern und ‹dem Bild› dabei eine grosse Dynamik, Poesie und ein erstaunliches Potenzial zuzusprechen.

Katharina Hinsberg. Geboren 1967 in Karlsruhe. Lebt und arbeitet auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss. Studium an der Akademie der Bildenden Künste München, der Hochschule für Bildende Künste Dresden und der École des Beaux-arts de Bordeaux. Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart, der Chinati Foundation, Marfa, Texas, der Cité des Arts, Paris, und dem MUKA Studio, Auckland, Neuseeland. Künstlerinnenpreis Nordrhein-Westfalen (2013) und Helmut-Kraft-Preis (2014).

Einzelausstellungen (Auswahl):

2015 Giornata, Saarländisches Künstlerhaus Saarbrücken; 2014 Feldern (Farben), Kunstsammlung NRW, K20, Düsseldorf. ajouré, Museum Goch; 2011 Spatien, Museum DKM, Duisburg; 2008 Streifen, Landesgalerie, Linz, Österreich. binnen, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Perceiden, Kunstmuseum Stuttgart; 2000 Frieze of Fricatives, The Chinati Foundation, Marfa, Texas; 1999 Zeichnung heute, Kunstmuseum Bonn.

Gruppenausstellungen (Auswahl):

2015 Walk the line. New Paths in Drawing, Kunstmuseum Wolfsburg; 2013–2015 Weltreise, Moscow Museum of Modern Art, Moskau, Russische Föderation/ZKM Karlsruhe/Busan Museum of Art, Busan, Südkorea. dal il al di, artq13, Rom, Italien; 2011–2014 linie, line, linea, Museu de Arte Leopoldo Gotuzzo, Pelotas, Brasilien/Centro de Arte Contemporáneo de Quito, Ecuador/Museo Nacional de Arte, La Paz, Bolivien/Museo de Arte del Banco de la República, Bogota, Kolumbien/Museo Nacional de Artes Visuales Montevideo, Uruguay; 2012 Aus Passion, Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Rasterfahndung, Kunstmuseum Stuttgart; 2009 Die Gegenwart der Linie, Pinakothek der Moderne, München; 2008 Zeichnung als Prozess, Folkwang-Museum, Essen; 2004 Gegen den Strich, Kunsthalle Baden-Baden

 

Veranstaltungen zu Katharina Hinsberg:
Künstlergespräch mit Katharina Hinsberg
Dienstag, Juni 23, 2015 | 18:00
Im Kontext eines Farbwechsels ist Katharina Hinsberg im Gespräch mit Ines Goldbach.

Katharina Hinsberg, Installationsansicht KHBL, 2015 Foto: Serge Hasenböhler

Katharina Hinsberg, Feldern (Farben), 2015
Foto: Serge Hasenböhler