Lockeres Denken.

Diplom- und Jahresausstellung vom Bachelor Studiengang Kunst,
Institut Kunst, Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW

„So wie ich es sehe, kommen Fortschritte im wissenschaftlichen Denken aus einer Kombination aus lockerem und strengem Denken, und diese Kombination ist das kostbarste Werkzeug überhaupt für die Wissenschaft.“ (Gregory Bateson: Experimente im Denken über ethnologische Beobachtungen)

In Kooperation mit dem Institut Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW werden in einer neu konzipierten Ausstellungsform alle drei BA-Jahrgänge des Instituts eingeladen, Arbeiten vorzustellen. Dabei sollen der Prozess, aber auch Themen wie das Scheitern und das noch Unfertige ebenso ihren Platz in der Ausstellung erhalten wie die für die KünstlerInnen abgeschlossene BA-Arbeit. Diese Ausstellung wird einen besonderen Einblick in das aktuelle, sonst meist nicht der Öffentlichkeit zugängliche Schaffen der noch im Studium stehenden (jungen) Künstlerinnen und Künstler bieten.

 

Dies ist eine ungewöhnliche Ausstellung. Sie konfrontiert das Publikum mit den Arbeiten von ungefähr zwanzig Studierenden, die dieses Jahr ihren Abschluss machen und ungefähr vierzig, die noch im ersten oder zweiten Jahr ihres Bachelor-Studiums sind. Das Diplom kennzeichnet ein Kunstwerk, das einem Publikum vorgestellt wird und den Beginn des künstlerischen Lebens markiert. Dieses alte Ritual ist von grundlegender Bedeutung: Es ist der Moment, in dem Werk und Betrachter sich gleichzeitig in einer öffentlichen Kunstinstitution wiederfinden. Die Ausstellung derer, die abgeschlossen haben, auszuweiten auf die, die sich noch im Studium befinden, gibt allen die Gelegenheit, ihre Aufgabe als Künstler vorauszuahnen. Kunst ist nicht nur dazu da, zu gefallen oder mit Stoffen zu üben auf Weisen, die der Funktionalität widersprechen. Sie erinnert uns auch daran, wie wir uns selbst anders wahrnehmen, indem wir die Welt anders sehen.

Keine gemeinsame Eigenschaft eint diese Werke, und doch: Was alle zusammenhält, ist eine Energie, gerichtet auf ein komplexes Verständnis des Selbst und sein Funktionieren. Ein traditionelles Verständnis des Selbst kommt nicht mehr mit der durch Medien unausweichlich gewordenen Grösse der Welt zurecht – hier wird also instinktiv Forschung betrieben. In der ganzen Ausstellung werden Sie dem Selbst und dem Absurden begegnen, dem Selbst und der Form, dem Selbst und der Strasse, dem Selbst und den Medien, dem Selbst und dem Nichts, dem Selbst und dem Surrealen, dem Selbst und der Hand, dem Selbst und der Technologie … Sie fragen sich vielleicht, ist das ein gestelltes Thema? Ein Zufall? Es ist kein Thema, denn es ist nicht ein Motiv unter anderen Motiven, sondern der Versuch zu verstehen, wie das Spiel, das zwischen unserem Bewusstsein (dem Selbst) und dem Sozialen läuft, sich radikal verändert hat. Auch, wie diese Verwandlung nicht nur unsere Gewohnheiten, sondern auch unsere Gefühle verändert. Kunst bietet ein Feld, auf dem wir untersuchen und besser verstehen können, was das bedeutet.

Lockeres Denken ist der Titel der Ausstellung. Der wissenschaftliche Terminus wurde vom Anthropologen und Philosophen Gregory Bateson geprägt. Bateson war einer der ersten, der über die Bedeutung des Lockeren nachdachte, über Impulse und Energien, die nicht gerichtet, geplant und in Strategien integriert, sondern gelebt werden. Ohne diese Energien wäre Denken – und noch wichtiger: innovatives Denken – nicht möglich. Zu lernen, wie dieses Spiel unsere Intelligenz und unsere Weltauffassungen beeinflusst, braucht Risikobereitschaft. Kunst ist nicht die einzige Disziplin, in der solche Ideen ständig präsent sind. Aber sie ist auf jeden Fall diejenige Sparte, die ein aufrichtiges Interesse an konstanter Zukunftsforschung an den Tag legt: Wie wird sich die Beziehung zwischen dem Möglichen und der Erwartung gestalten?

 

Diplomjahrgang

Vera Bruggmann, Denise Fonjallaz, Carla Céline Geissberger, Azumi Goya, Mario Grossert, Silas Heizmann, Jorim Huber, Caroline Keller, Sonja Lippuner, Julia Minnig & Jelena Nikolić, Martin Pedersen, Gabriel Salgado Jérémie Sarbach & Flurina Badel, Manuel Schneider, Tobija Stuker, Hanes Sturzenegger, Tanja Weidmann, Elisabeth Zeller.

Bachelorstudierende

1. und 2. Studienjahr Markus Aebersold, Anna Balint, Mattania Bösiger, Leonardo Bürgi, Manuela Cossalter, Nadine Cueni, Kaja Eng, Raphaela Grolimund, Manuel Guldimann, Chris Handberg, Simon Hofmann, Monika Iseli, Andreas Jenni, Sherina Keser, Melanie Kuratli, Jemima Läubli, Céline Liebi, Marisa Meier, Ephraim Meister, Robin Michel, Laura Mietrup, Katrin Niedermeier, Sapir Kesem Leary, Rosella Puliafito, Raphael Reichert, Lea Rüegg, Njomza Sadikaj, Rebeka Schiessl, Sebnem Seckin, Yanik Soland, Fidel Stadelmann, Aline Stalder, Simone Steinegger, Sandra Steiner, Aysa Stettler, Paula Thiel, Vittoria Vonarburg, Isadora Vogt, Sean Völlmin, Simon Wyss.

 

Kuratiert wird die Ausstellung von Chus Martínez, Leiterin des Instituts Kunst der HGK FHNW, und Ines Goldbach.

Vernissage: 20. August, 18.30 Uhr

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