Künstler:

Max Leiß

20. Januar bis 6. März 2016

Kuratorin: Ines Goldbach in Zusammenarbeit mit Max Leiß

Katalog: ab Ende Februar im Kunsthaus zu erwerben. Hg. Ines Goldbach, Kunsthaus Baselland, mit Texten von Jean-Paul Gavard-Perret und Ines Goldbach sowie einem Gespräch mit Max Leiß. Die Publikation erscheint im Mark Pezinger Verlag

unterstützt von : Ausstellung und Katalog werden unterstützt durch Roldenfund, Kanton Basel-Stadt Kultur, Futurum Stiftung, werner sutter AG und Migros Kulturprozent sowie durch die Partner des Kunsthaus Baselland.

Events: Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm siehe unter Events.

 

 

Zu den Arbeiten von Max Leiß

Ein hängendes Objekt aus Stahl und Glas, das in seinen Umrissen an eine Überwachungskamera denken lassen könnte; geometrische Formen wie Linien oder Flächen aus rötlichem Schamott; minimale skulpturale Gebilde aus Metall oder Holzplatten, die Architekturmodelle sein könnten, wären da nicht ihre Masse, die sich diesem Eindruck verweigern. Schwarz-Weiss-Fotografien von Baukörpern, die reale Situationen im urbanen Raum zeigen, zugleich aber merkwürdig unwirklich anmuten.

Es gehört zu den grossen Qualitäten des in Basel tätigen Künstlers Max Leiß (* 1982), die skulpturalen Eigenarten von Gegenständen, Formen, Architekturen und Situationen des Alltags zu sehen, ja erst einmal aufzuspüren und mit teils präzisen Eingriffen und Setzungen zu verstärken. Er realisiert Objekte, die eine Funktionalität, auch eine gewisse Alltäglichkeit und damit Selbstverständlichkeit vermitteln – sich aber im nächsten Augenblick diesem Eindruck durch ihre Rätselhaftigkeit und Faszination grundlegend entziehen.

Nicht allein die Neuproduktion, sondern das Aneignen, das präzise Umgehen mit dem Vorhandenen ist seinem Arbeitsprozess wesentlich. Oft stammen die Gegenstände aus dem städtischen Gefüge und werden auf ihre skulpturalen Möglichkeiten befragt. Fast scheint es so, als würde das Objekt von seiner gängigen Funktionalität und zugleich Eindeutigkeit für einmal befreit. Aber es sind eben nicht nur die Gegenstände, die losgelöst vom Alltäglichen erscheinen – man selbst, durch die skulpturalen und visuellen Angebote animiert, scheint ein wenig freier im Sehen und Verstehen der eigenen Umgebung.

Man würde aber den Arbeiten des Bildhauers Leiß nicht gerecht werden, würde man seine Skulpturen allein auf ein Umgehen mit Fundstücken reduzieren. Sein künstlerisches Interesse gilt der Formfindung, der Schaffung und zugleich Hinterfragung von Volumen, architektonischen und skulpturalen Qualitäten von Gebautem, Gegossenem, Abgetragenem und eben auch Fotografiertem.

Dass Max Leiß nicht allein Objekte herauslöst, transformiert, verändert, um die skulpturale Qualität der Fundstücke herauszudestillieren, sondern auch den jeweiligen Ausstellungsraum auf seine skulpturalen Eigenarten hinterfragt, ist daher folgerichtig. Für seine Ausstellung im Kunsthaus Baselland hat der Künstler vor Ort eine Linie aus Schamott gegossen, die die architektonische Struktur der drei hintereinandergeschalteten Räume mit einer knapp 40 Meter langen Diagonale überschreibt, gliedert und zugleich als Ganzes lesbar macht.

Im Gespräch mit Max Leiß fällt ein Satz, der sein künstlerisches Vorgehen sehr präzise zu umschreiben vermag: Das Schauen sei für ihn fast das Gleiche wie das Machen. Damit trifft er einen wichtigen Punkt. Das Sehen wird als kreativer Akt verstanden. Denn das aufmerksame Beobachten von räumlichen Konstellationen im Aussenraum ebenso wie im Ausstellungsraum ist nicht nur wichtigster Impuls für Leiß’ künstlerische Tätigkeit selbst. Gerade in einer grösseren Auslegeordnung wie einer Ausstellung wird deutlich, wie Leiß seine Arbeiten untereinander kommunizieren lässt und sie die Kapazität haben, sich inhaltlich – mal subtil, mal offensichtlich – miteinander zu verbinden. Auch werden Momente sichtbar, die sein künstlerisches Vorgehen prägen: Eine Setzung, eine Formfindung, ein Eingriff kann Auslöser und Anlass für die nächste Arbeit werden und zu ihr überführen.

Max Leiß’ Arbeiten sind ein Angebot. Ein Angebot, sich seinen Werken und deren Verbindungen zueinander aufmerksam, neugierig und reflektierend zu nähern und mit einem frischen Blick unser Umfeld und unsere Alltagsrealitäten zu sehen – mit all ihren Besonderheiten, Absurditäten und auch ihrer Poesie. Es kommt eben einer kreativen Leistung gleich, das vielfach, an jeder Ecke, jedem Platz, jedem Zwischenraum gestaltete städtische Umfeld als skulpturale, rätselhafte, teils ungewollt humorvolle Setzungen innerhalb eines urbanen Gefüges sehen und als solche verstehen zu können. (IG)

Auszug aus der Publikation, die Ende Februar im Mark Pezinger Verlag erscheinen wird, mit Texten u. a. von Max Leiß, Jean-Paul Gavard-Perret und Ines Goldbach

 

Kurzbiografie

Max Leiß, 1982 geboren, absolvierte eine Ausbildung zum Holzbildhauer in München und studierte Freie Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris. 2012 war er Meisterschüler bei Prof. Harald Klingelhöller und Katinka Bock. Max Leiß lebt und arbeitet aktuell in Basel.

 

Einzelausstellungen:

2014, CARAVAN 3/2014: Max Leiß, Aargauer Kunsthaus, Aarau; 2013, Connecticut, V8 Plattform, Karlsruhe ; Strömungsabriss, Ausstellungsraum Klingental, Basel (mit R. Lutter); 2012, Aus dem Leben der Wildkatzen, Enrico Fornello, Mailand.
Gruppenausstellungen (Auswahl):

2014, Der große Abplatter, Nicolas Krupp Contemporary Art, Basel ; Mark Pezinger Works Both Ways, Centre de Documentation, FRAC PACA, Marseille; 2013 Swiss Art Awards, Basel; 2012, Deltabeben, Stadtgalerie Mannheim ; TOP 12 Meisterschüler, Städtische Galerie Karlsruhe; 2011, Diplomausstellung, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe; Regionale 12, Kunst Raum Riehen; 2010, Passage, Meyer Riegger Karlsruhe ; Der unaufhaltsame Aufstieg von Draufgängern und Flaschen, Städtische Galerie Karlsruhe; 2009, Regionale 10, Kunsthalle Basel, Kunsthaus L6 Freiburg

A 2216

Max Leiß, Installationsansicht Kunsthaus Baselland, 2016.