I-HOOD

Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst der HGK FHNW

26.8. —
1.9.2019

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Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst der HGK FHNW, Kunsthaus Baselland 2019, Foto: Christoph Bühler
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Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst der HGK FHNW, Kunsthaus Baselland 2019, Foto: Christoph Bühler
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Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst der HGK FHNW, Kunsthaus Baselland 2019, Foto: Christoph Bühler
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Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst der HGK FHNW, Kunsthaus Baselland 2019, Foto: Christoph Bühler
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Diplomausstellung Bachelor und Master des Institut Kunst der HGK FHNW, Kunsthaus Baselland 2019, Foto: Christoph Bühler

Pressespiegel (Auswahl)

Basler Zeitung, 27.8.2019

Manuel Guldimann, Andreas Kalbermatter, Niku Alex Muçaj, Giangiacomo Rossetti, Guadalupe Ruiz, Micael Santos, Sophie Yerly



Zum nunmehr vierten Mal ist das Institut Kunst der Hochschule für Gestaltung und Kunst zu Gast im Kunsthaus Baselland und bietet einer jungen Generation angehender Künstler und Künstlerinnen eine spannende Plattform, um ihre Diplomarbeiten in einem professionellen Rahmen der Öffentlichkeit vorzustellen. Kuratiert wird diese wichtige Abschlussausstellung von einem wechselnden Kuratorinnenteam: 2015, Lockeres Denken, kuratiert von Ines Goldbach, Direktorin Kunsthaus Baselland, und Chus Martínez, Leiterin Institut Kunst der HGK FHNW, 2017,Wir heissen euch hoffen, kuratiert von Carolyn Christov-Bakargiev, Direktorin Castello di Rivoli Museum of Contemporary Art sowie der GAM Galleria Civica, Turin, und Chus Martínez, 2018, Atlas of Heavens, kuratiert vonSofía Hernández Chong Cuy, Direktorin Witte de With Center for Contemporay Art in Rotterdam, und Chus Martínez. 2019 wird die Ausstellung kuratiert von Filipa Ramos, Autorin, Kuratorin, und Chus Martínez.

Die diesjährige Bachelor- und Master-Diplomausstellung des Institut Kunst HGK FHNW in Basel — kuratiert von Filipa Ramos, Autorin und Chefredakteurin von art-agenda, und Chus Martínez, Leiterin des Institut Kunst — zeigt neu geschaffene Werke von 43 Künstler*innen und greift eine kollektive Befragung der künstlerischen Produktion im Verhältnis zu sozialen und naturbezogenen Sichtweisen des «Ich» auf.

Bereits zum vierten Mal findet die Abschlussausstellung des Institut Kunst im Kunsthaus Baselland statt. Die Tatsache, dass dieses Projekt in einer Kunstinstitution zu Gast ist und die Zusammenarbeit von Chus Martínez mit Gastkurator*innen, spiegelt die Besonderheit dieses Moments in der Ausbildung von Künstler*innen wider: Sie betont den Übergang vom betreuten Umfeld der Kunsthochschule zu den Herausforderungen der Karriere professioneller Künstler*innen. Das Projekt ist auch ein Ergebnis der ausserordentlichen kulturellenDichte von Basel und Baselland.

Die Entdeckung des «Ich»ist wahrscheinlich das erste jemals produzierte Kunstwerk — nach heutigem Verständnis – und «I-Hood»beschreibt sowohl diese Vorreiterrolle als auch seine formale und soziale Verwertung. Die Frage nach dem «Ich»unterscheidet sich von derjenigen nach dem «Selbst». Das Selbst ist reflexiv – es ist nicht «Ich», sondern «mich». Es bezieht sich auf das moderne Ideal der Authentizität — auf den Imperativ der Bezogenheit auf sich selbst. Das «Ich»hingegen impliziert Nähe und Intimität. Es ist ein moderner Wert: Aufrichtigkeit oder die Bedingung, anderen gegenüber echt zu sein. Die kritische Kluft zwischen diesen Begriffen formt unsere zeitgenössischen Diskurse über das persönliche, soziale, politische und kreative Leben. Wir haben nur sehr wenige Mittel zur Hand — die Kunst als das wichtigste — die es uns ermöglichen, neue Elemente und Verhaltensweisen zu beobachten, zu überarbeiten und zu erfinden, die diese gewaltigen und doch problematischen tradierten Ideale in Frage stellen.

Die Wechselbeziehung zwischen dem «Ich»und dem «Selbst» hat Parallelen in unserer gegenwärtigen Beziehung zu Bildern und zum Schreiben, wobei Bilder quasi das «Ich»und Schreiben das «Selbst»sind. Wir sind ständig darauf trainiert, in Bildern zu denken — noch nie waren wir ihnen so ausgesetzt, so begierig, sie zu produzieren, zu verbreiten und zu konsumieren. Gleichzeitig schreiben wir ständig Nachrichten, Beiträge, Kommentare, E-Mails... Tausende schreiben Romane, und gleichzeitig befindet sich die Literatur in einer Krise. Millionen fotografieren und doch steckt die Fotografie ebenfalls in der Krise. Warum? Eine erste Antwort lädt uns ein, die Art und Weise zu überdenken, wie wir diese Prozesse definieren. Wenn wir das Wort «Krise» mit«gigantischer und unglaublicher Erfolg»ersetzen, ergibt sich die gleiche Realität. Diese Kaskade des Schreibens und der Bildproduktion bringt uns jenen Kontexten und Bereichen näher, in denen das Geschichtenerzählen und die Symbolbildung entscheidend sind. Das Erzählen und der Umgang mit Bildern verbinden uns alle auf eine bisher nicht gekannte Weise. Erinnerung in Bewegung.

Viele der Arbeiten in der Diplomausstellung «I-Hood» reflektieren unser zeitgenössisches Interesse, sich ständig auf uns selbst zu beziehen. Künstler*innen bieten uns eine aussergewöhnliche Gelegenheit, mit Fragen, etwa nach der Identität, eine dynamische Beziehung einzugehen und ermöglichen es uns, Geschichte sowohl aus der Perspektive des Individuums als auch aus der Perspektive der Gemeinschaften neu zu gestalten. Auf bescheidene, aber wirkungsvolle Weise entwerfen die in dieser Ausstellung präsentierten Werke neue Bilder von unserem Verhältnis zu Geschichte, Zeit, Natur, Umwelt sowie der Weise, wie wir Frauen, Männern und anderen – nicht ausschliesslich menschlichen – Lebensformen, aber auch neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz, Rollen zuweisen. Technologie ist ein Begleiter, der uns dabei helfen kann zu verstehen, wie sehr wir Kommunikation brauchen und wie wichtig es ist, das Benutzen all dieser Kanäle – wie die Kunst – zu erlernen, um neue und grössere Dimensionen der Präsenz, des Kontakts und des Fühlens zu erleben. Die Intelligenz in der Technologie kann uns also helfen, uns wieder mit unseren Gefühlen zu verbinden.


Die Erzählungen von jeder der über vierzig Arbeiten in der Ausstellung «I-Hood» sind eine Einladung, uns auf eine Reise zu begeben, die frei von den uns bekannten Normen und Beschränkungen ist. Im Gegensatz zu Bildern aus dem Computer, digitalen Medien oder Social Media verlangen diese Bilder, dass unsere Augen jedes Detail erforschen und wir uns in ihnen bewegen, sie betreten, sie von oben und unten betrachten. Ebenso werden wir in der Lage sein, die Bilder zu hören und zu berühren, denn ihre Klänge und Texturen vermitteln einen Sinn von Realität. Wir sind da, präsent und wichtig für uns selbst.

KuratorIn: Filipa Ramos, Autorin / Kuratorin und Chus Martínez, Leiterin Institut Kunst