Revolt Against the Sun!
30.8.
—
14.9.2025
«Next Generation»
Diplomausstellung Bachelor und Master Institut Kunst Gender Natur HGK Basel FHNW
Projektpartner

- Maria Paz Aires
- Riccardo Aloisi
- Alondra
- Isabelle Benvenuti
- Delphine Claire Bertrand
- Lenn Bjoerk
- Á. Birna Björnsdóttir
- Louie Blaser
- Adraâ Anna Boukharta
- Selina Camenzind
- Brenda Brigitte Dell'Anna
- Fanny Adriana Dunning
- Lena Anika Ellenberger
- Nora Aliena Friedlin
- Niko Fuchs
- Max Gisel
- Noa Nola Glauser
- Nisha Greisser
- Tim Heiniger
- Alyona Hrekova
- Tina Janiashvili
- Nico Jenni
- Ramon Keimig
- Lizz Keller
- Robert Kirov
- Marc Lohri
- Nolan Lucidi
- Lisa Mazenauer
- Ruowen Mei
- Anastasia Müller
- Anyali Oviedo Castillo
- Rondi Park
- Marilola Peter Saba
- Irene Rainer
- Linus Finn Riegger
- Estéfana Román Matesanz
- Léna Romand Lacrabère
- Barbara Signer
- Yann Slattery
- Thy Truong
- Linus Weber
- Valie Winter
- Julie / Julot Wuhrmann
- Chi-Hun Yang
- Hsiao-Yen Yao
- Ilja Zaharov
Emily Besel, Emma Bonven und Dominik Ittin.
Mit der diesjährigen Diplomausstellung der Bachelor- und Master-Studierenden, ist das Institut Kunst Gender Natur HGK Basel FHNW, bereits zum zehnten Mal im Kunsthaus Baselland zu Gast. Die Ausstellung umfasst neue Arbeiten von knapp 50 aufstrebenden Künstler:innen und setzt die langjährige Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Baselland, das sich seit 2024 in unmittelbarer Nähe des Campus Dreispitz der HGK Basel FHNW befindet, fort. Um den besonderen Charakter einer Diplomausstellung in einer renommierten Kunstinstitution und in der Ausbildung von Künstler:innen am Übergang vom vertrauten Umfeld einer Kunsthochschule zu den Herausforderungen der Arbeit als professionelle Kunstschaffende zu unterstreichen, wird die Ausstellung jeweils von renommierten Gastkurator:innen gemeinsam mit Chus Martínez, Leiterin Institut Kunst Gender Natur HGK Basel FHNW, kuratiert. In diesem Jahr ist dies Margaux Bonopera, freischaffende Kuratorin und Leiterin Ausstellungen in der Fondation Vincent van Gogh Arles.
Der Titel der diesjährigen Diplomausstellung bezieht sich auf die irakische Autorin Nazik al-Mala’ika (1923 – 2007). Ihr Gedicht Revolt Against the Sun (Thawra `ala al-shams) wurde 1947 veröffentlicht und 2020 erschien eine englische Anthologie mit demselben Titel, die 32 ihrer bedeutendsten Gedichte aus mehreren Jahrzehnten umfasst. In Nazik al-Mala’ika’s Schaffen steht Revolt Against the Sun für eine Revolte gegen auferlegte Bedeutung, Dominanz und unachtsam etablierte Konformität. Es gibt kein gemeinsames Thema, das diese Ausstellung eint, bis auf die Tatsache, dass alle Werke der teilnehmenden Künstler:innen – drittes Jahr Bachelor und zweites Jahr Master – den Willen verkörpern, sich mit den aktuellen geistigen und körperlichen Zuständen auseinanderzusetzen. Alle beschäftigen sich mit der Frage, wie wir mit den tiefen Turbulenzen umgehen können, die durch Krieg, Klimakrise, Ungleichheit, digitale Entfremdung, Fragmentierung von Identität und chronische Angst verursacht werden. Kann Kunst in dieser Situation einen gewissen Trost spenden? Können wir einen Sinn für das Selbst zurückgewinnen, der den Vorstellungen trotzen kann, die uns ständig von sozialen Medien vorgehalten werden, oder der den Mainstream-Diskursen zu automatisierter Arbeit und den Aufgaben, die uns Maschinen abnehmen werden, widersprechen kann? Kann Kunst dazu beitragen, wieder Frieden zu erlangen?
Interessant ist, dass sich weder Traurigkeit noch ein Gefühl der Niederlage durch die Ausstellung und Werke ziehen. Aus der aktuellen Krise sind die Kunstschaffenden und ihre künstlerischen Praktiken nicht freudig, sondern nüchtern hervorgegangen. Sie stellen sich den Schwierigkeiten und investieren in die verschiedenen Arbeiten, um Einblicke in wichtige Themen zu gewinnen:
- Emotionen zirkulieren durch unsere Körper; wir tragen diese Emotionen in uns und teilen sie, auch wenn wir sie nicht bemerken. Daher scheint es von grundlegender Bedeutung zu sein, positive Emotionen und Hoffnung zu verbreiten, die zu Veränderungen motivieren können.
- Wir müssen die modernistischen und kolonialen Vorstellungen vom individuellen Menschen hinter uns lassen. Unsere Körper sind nicht isoliert und auch nicht völlig passiv. Technik ist nicht dazu da, uns zu formen, sondern wir sind auch dazu da, um Technik zu formen, zu verändern und sie an unsere aktuellen Bedürfnisse und Werte anzupassen.
- Trauma, Schmerz und psychische Gesundheit sind nicht nur persönliche Zustände, sondern Reaktionen auf überwältigende Prozesse, die uns alle als Gruppe, Gemeinschaft und Gesellschaft betreffen.
- Ausserdem sind Kunst und künstlerische Praxis ein unglaubliches Gegengewicht zur toxischen Positivität von Medien in Privatbesitz. Kunst verkörpert immer noch das Gemeinwohl, den öffentlichen Raum, die Arena, in der wir offen über die Zukunft unserer Welt diskutieren können.
Die in Revolt Against the Sun! gezeigten Arbeiten sind in ihrer künstlerischen Sprache sehr unterschiedlich. Das Institut Kunst Gender Natur HGK Basel FHNW fördert denn auch nicht eine einzige Arbeitsweise, sondern die Entwicklung einer individuellen, eloquenten Sprache. Es ist von grundlegender Bedeutung, die Anstrengungen dieser jungen Künstler:innen beim Schaffen ihrer neuen Arbeiten zu verstehen: ihr Vertrauen in demokratische Sicherheiten, welche Kunst als ein Recht definieren, ein Grundrecht, das unser Leben und unsere Möglichkeiten bereichert und uns wieder mit dem kollektiven Bewusstsein verbindet, indem es präpolitische Räume für das Denken und den Dissens eröffnet.
Wir danken dem Team des Kunsthaus Baselland für die bereits zehnte Zusammenarbeit im Rahmen der Diplomausstellung und für die erneute Gastfreundschaft. Wir danken zudem dem Team des Institut Kunst Gender Natur HGK Basel FHNW – Dozierende, Mentorierende, technische, wissenschaftliche, administrative und für die Produktion verantwortliche Mitarbeitende – für die Begleitung und tatkräftige Unterstützung, und nicht zuletzt danken wir den Künstler:innen für ihre grossartigen Arbeiten, ihr Vertrauen in uns und in sich selbst sowie für den kontinuierlichen Austausch.
Chus Martínez
In a Nutshell
Am Tag vor meinem ersten Treffen mit den Studierenden des Institut Kunst Gender Natur HGK Basel FHNW legte mir jemand eine Karte auf den Schreibtisch mit einem Bild von Yok Yok, einer Figur des Schweizer Illustrators Etienne Delessert, welche die Besonderheit hat, in einer Nussschale zu leben. Eine geniale Wahl, sich in einer Schale niederzulassen, die gleichzeitig komplex und solide, diskret und mobil ist. Mit dieser gedanklichen Begleitung kam ich nach Basel.
Im Laufe meiner Begegnungen mit den Studierenden wurde diese Nussschale zu einer philosophischen Figur und zu einem Übergangsobjekt, das es ermöglichte, jede Praxis in ihrer Einzigartigkeit zu betrachten und gleichzeitig das gemeinsame Territorium einer Gruppenausstellung zu entwickeln. Diese einfache Walnussschale, die vielen vertraut ist, wurde so zu einem Gefäss für beinahe 50 individuelle Welten, für ebenso viele reizvolle künstlerische Praktiken. Ich könnte erzählen, wie die Künstler:innen neue persönliche Geschichten schreiben, neue dichte Lebensräume und Orte schaffen, um gemeinsam in einer zunehmend gewalttätigen, umweltzerstörerischen und patriarchalischen Welt zu existieren. Ich könnte beschreiben, wie sie in einer Zeit, in der alles zusammenbricht, für einen Gedanken kämpfen und ihn durchsetzen, eine Emotion vermitteln und ein Gefühl teilen: Gerechtigkeit, das Wohl aller, unsere Menschlichkeit an sich. Ich könnte den Humor, die Freude, die Angst und den Kummer erwähnen, die den kurzen Austausch mit allen von ihnen prägen. Ich könnte von einem Rodeo mit Delfinen und von Monolithen der Erinnerung erzählen, von gefangenen Körpern und von Schildkröten, die Edelsteine halten, von brennenden Häusern und von Bäumen aus Wachs, von Stoffkarussells, falschen Identitäten und beruhigenden Objekten, von nationalen Archiven, kollektiven Utopien und Oberflächen aus Knöpfen... Letztendlich könnte ich stundenlang über jede dieser Begegnungen schreiben.
Aber ich möchte euch kurz und bündig einladen, für einige Sekunden oder ganze Stunden in jeder der Nussschalen zu leben, die ich entdecken konnte, damit auch ihr euch eine Gegenwart vorstellen könnt, die verschiedene Welten und zugleich zahlreiche einzigartige Nussschalen umfasst. Diese Einladung ist nicht nur freundlich, sie ist eine Aufforderung. Denn es geht jetzt darum, nicht zu vergessen, sich daran zu erinnern, dass bestimmte Warnungen, bestimmte Ratschläge, bestimmte Antworten eine Form angenommen hatten und zur gleichen Zeit, am gleichen Ort waren. Kurz gefasst, sie gehören alle zu derselben Ausstellung.
Margaux Bonopera