Regionale 12

Meubler la solitude

25.11.2011 —
8.1.2012

What began many years ago as a Christmas show, has since become one of the largest cross-border projects in the region Basel, South Baden and Alsace. There are now more than a dozen institutions in the tri-national area that provide an exhibition opportunity for regional artists of all ages.

Each institution selects its range of artistic works, and develops its own exhibition concept for the respective Regionale exhibition. The Regionale is thus not simply a reflection of the creative potential of the region and its cultural diversity, but also a platform for the trans-border exchange between artists, cultural institutions and audiences interested in the arts.

Curator: Sabine Schaschl

Bretz Holliger G 2011 1
Bretz/Holliger, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Bretz/Holliger haben mit ihrer Arbeit im Untergeschoss eine Art Zauberstück geschaffen, der Blick in eine Kaffeetasse zeigt Unerwartetes und Fantasievolles. Der Schaum bewegt sich auf dem schwarzen Kaffee, verflüchtigt sich, eine Geschichte fängt an sich zu entwickeln, eine Rakete startet, ein Flug ins All wird suggeriert. Träume und Zauberstücke sind ein wichtiger Bestandteil des Ausstellungsthemas.

Buol Silvia G 2011 1
Silvia Buol, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Die Schweizer Tanzperformerin Silvia Buol interessiert sich seit Jahren für raumspezifisches Arbeiten und bezieht ihre Bewegungssprache auf die sie umgebende Architektur. In ihren Fotografien sind diese verwandtschaftlichen Beziehungen besonders deutlich zu spüren, die Körperfragmente werden zu einer pulsierenden Chiffrensprache, die den Raum neu definieren und ihn anders als bisher lesen lassen.

Crottet Julia G 2011 1
Julia Crottet, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Julia Crottet hat 21 Personen zwei Fragen gestellt: «Welchen Musiktitel hörst Du Dir gerne an, wenn Du Dich einsam fühlst? Oder welchen Titel empfiehlst Du jemandem der sich einsam fühlt?» und «Welchen Musiktitel würdest Du Dir niemals anhören, wenn Du Dich einsam fühlst? Oder welchen Titel würdest Du niemals jemandem empfehlen, der sich einsam fühlt?». Da Musik direkt das Innerste berührt, ist hier eine sehr intime Arbeit entstanden.

Engel Marianne G 2011 1
Marianne Engel, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Marianne Engels Kunst zeigt eine Verwandtschaft zu den Arbeiten von Lex Vögtli, weil beide das Surreale mit poetischen Elementen verbinden. Wir stehen etwas ratlos vor dem Sarkophag und wissen nicht mehr, ob wir in einer Ausstellung oder in einer ägyptischen Grabkammer sind. Doch mit zunehmender Gewöhnung an die Dunkelheit macht das Unheimliche dem Behaglichen Platz und entführt uns in eine magische Welt.

Erni Daniela G 2011 1
Daniela Erni, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Daniela Erni hat in den letzten zwanzig Jahren im Medium der Druckgrafik eine eigene Sprache erfunden, die sich an Naturformen orientiert, die sie aber weitgehend abstrahiert und zu einem Vokabular von ungegenständlichen Chiffren entwickelt, die immer wieder an Gegenstände erinnern ohne direkt darauf Bezug zu nehmen. Ihr Stil hat etwas Archaisches, ihre Setzungen sind oft prägnant, können aber auch sehr subtil und zart ausfallen.

Gysi Lara G 2011 1
Lara Gysi, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Lara Gysi hat zwei Situationen geschaffen, die über die Abfolge von Assoziationen in Gang kommen. Die eine Arbeit entwickelt sie aus Fragmenten, in die mehr eingeschrieben ist als sie wirklich zeigen, also ein Reservoir für weitergehende Gedanken bilden; die andere zeigt fünf Handyfotografien, die den Raum und die Fläche miteinander verschränken und damit eine variierende Lesbarkeit entwickeln.

Hagmann Sabine G 2011 1
Sabine Hamann, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Sabine Hagmann hat 1996 Situationen aus ihrem Gastatelier in Genua aufgenommen, Momente in Richtung Hafen und Meer. Doch letzteres ist nur in Spuren sicht- oder erahnbar. Himmel, Dächer, Gebäude, Lastkranen und Schiffsteile sind erkennbar, die sprichwörtlich gewordene freie Sicht aufs Mittelmeer indessen stellt sich nie ein. Die Arbeit handelt von Stimmungen, von Sehnsüchten und unerfüllten Hoffnungen.

Hattan Eric G 2011 1
Eric Hattan, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Eric Hattan untersucht in seinen Arbeiten die Veränderungen von Zuständen. Seien es Möbel, die er zu Objekten zusammenfügt, seien es Räume, die er neu zusammensetzt, die er auseinander nimmt und verkehrt zusammensetzt, die er ausräumt und wieder einräumt. Es ist eine Art Spiel von Innen und Aussen, die Veränderungen die dadurch entstehen interessieren ihn, er ist ein Beobachter des Alltags; in Flatsculpture und Spielzimmer untersucht er die Veränderung von Räumen durch Um- oder Aufräumen.

Hauri Thomas G 2010 1
Thomas Hauri, Ohne Titel, 2010, installation view Kunsthaus Baselland, photo: Kunsthaus Baselland

Die neuen Aquarelle von Thomas Hauri lösen sich nicht mehr auf, sie erwecken vielmehr den Eindruck als seien sie sehr komplex gebaut. Damit definieren sie eine Art Gegenpol zu den Bildern von Nicole Henning, ohne dass dies beabsichtigt wäre. Wenn man die dargestellten Motive zu verstehen versucht, so weiss man nie genau, ob es sich um eine Auf- oder Ansichten handelt, die fliessenden Farben tragen zusätzlich zu dieser kompositorischen Irritation bei: im Gleichen ganz Unterschiedliches zu erkennen.

Henning Nicole G 2011 1
Nicole Henning, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Dem gegenüber scheinen sich die Arbeiten von Nicole Henning aufzulösen. Wir erkennen zwar ein Haus, ein Wäldchen oder einige Palmen, doch scheinen diese Bilder und vor allem ihr Flimmern die Resultate einer Fata Morgana zu sein. Den Situationen wurde durch ein technisches Malverfahren Leben eingehaucht, ein Momentum, dass uns auch schaudern kann, wir kennen es von Nordlichtern oder vom Wetterleuchten.

Herzog Dunja G 2011 1
Dunja Herzog, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Itinerant Configuration von Dunja Herzog besteht aus sechs Betonskulpturen welche im ganzen Ausstellungsraum verteilt sind und in ihrer Setzung in Bezug zur Architektur treten.

Jakob Jakob G 2011 1
Dani Jakob, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Dani Jakobs Fotoarbeit zeigt sie selbst in einem italienischen Garten beim Einpflanzen eines Feigenbaums. Über die Installation verteilt sind Uhren mit unterschiedlicheen Zeitangaben , deren Zifferblätter aus jenem Lehm hergestellt wurden, den die Künstlerin aus dem Erdloch holte, in den später der Baum gepflanzt wurde. Ein Teppich und ein Paar Schuhe stehen vor der Wand und verleihen der paradiesischen Darstellung, wo die Zeit bedeutungslos und das Werden und Vergehen offensichtlich ist, einen alltäglichen Anspruch.

Jordi Meieli Kroepfli Monique G 2011 1
Meieli Jordi/Monique Kroepfli, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Die beiden Tänzerinnen, Meieli Jordi und Monique Kroepfli, die beide eine Ausbildung am Laban Dance Centre in London genossen und daher mit den konstruktiven Bedingungen des Raumes vertraut sind, entwickelten eine Tanzperformance, die das Interagieren von menschgewordenen Möbelstücken und Benutzern von Räumen und Möbeln thematisierte. Das Möbelstück als lebendiges Material, dass ganz eigenen Bewegungsimpulsen gehorcht, übersetzt das Ausstellungsthema in eine physische Komponente und entlockt ihm so neue Sichtweisen.

Lüthi K Catrin G 2011 1
Catrin Lüthi K, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

In ihrer Installation überträgt Catrin Lüthi K die Situation mit den Säulen und Trägern auf den Bodenbereich. Die Spiegelung bewirkt, dass Oben und Unten mit einander verschränkt und dadurch neue Überlegungen zum Umgang mit Raum angestellt werden. Wichtig ist in ihren Arbeiten die Verwendung von Materialien und Konstruktionen, die immer auch sichtbar bleiben dürfen und so die Illusionen negieren.

Müller Claudia Julia G 2011 1
Claudia und Julia Müller, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Claudia & Julia Müller zeigen auf meinen Wunsch ihre frühe Serie Enzyklopädie der Freundschaft von 1993 kombiniert mit einer Liste (Debst) von 2004. In der Zeichnungs-Serie porträtieren sie verschiedene Freunde, teils auch Künstler wie Hansjörg Marti, Eric Hattan und Esther Hiepler — die letzten beiden sind in der Ausstellung mit eigenen Werken vertreten — wobei der Hintergrund der jeweiligen Zeichnung die Beschaffenheit der Freundschaft aufzeigen soll. Die Liste suggeriert eine ähnliche Konstruktion eines abgeschlossenen Systems, in dem alles aufeinander bezogen werden kann.

Müller Markus G 2011 1
Markus Müller, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Markus Müller hingegen tut etwas ganz anderes. Er positioniert inmitten des Raumes eine präzise Setzung. Ein Objekt mit einem Loch und eine Art Bank. Zwei klare Positionen, die etwas vorgeben, ohne genau einzulösen, was sie eigentlich sein wollen. Doch es sind nicht nur Objekte, es sind Räume, die Müller selbst konstruiert für seine individuelle Malerei, es ist raumgewordene Malerei, ein neue Objektart, die es bisher so kaum gibt.

Müller Vera Ida G 2011 1
Vera Ida Müller, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Vera Ida Müllers Bild thematisiert die Leere anhand einer alltäglichen Situation. Ein Tisch, ein Tischtuch und ein Teller. So einfach die Situation ist, es entfacht sich daraus sofort eine Geschichte, weil so vieles in der Schwebe ist. Vera Ida Müller verstärkt diesen Eindruck der physischen und psychischen Leere durch das extreme Querformat, das dem Bild selbst das Aussehen eines extremen Möbelstückes verleiht.

Mumenthaler Ursula G 2011 1
Ursula Mumenthaler, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Ursula Mumenthaler zeigt vier Fotografien aus ihrer Serie Agra, die die Räume eines leerstehenden Gebäudes aufzeigen. Spuren im Boden, Lichteinfälle und Reflexe füllen die leeren Räume mit zusätzlichem Leben. Ursula Mumenthaler arbeitet seit Jahren mit Sichtverschiebungen in der Architektur, die — anders als ein Trompe-l’oeil-Effekt — mehr wie ein Vexierbild wirken. Die vier Fotografien zeigen ein verlassenes Haus, das sich durch Spuren nach wie vor selbst inszeniert.

Oderbolz Edit G 2011 1
Edit Oderbolz, Air, 2011, installation view Kunsthaus Baselland, photo: Kunsthaus Baselland

Edit Oderbolz zeigt an einer langen Wand mit unterschiedlich gebogenen Armierungseisen eine bauplastische Chiffrierung, wie sie der Bauarbeiter auf den Grossbaustellen täglich neu entwirft. Hinter allen Betonmauern dieser Welt verbirgt sich eine durch Armierungseisen geformte, innere Sprache. Diese kehrt Edit Oderbolz in ihrer grossen Arbeit nach Aussen, sie lässt damit das Innere von Gebäuden sprechen, eine archaische Sprache mit poetischen Zügen.

Oppenheim Meret G 2011 1
Meret Oppenheim, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

An Meret Oppenheims Kunst wurde das Ausstellungskonzept zu meubler la solitude das erste Mal entwickelt. Die sechs Lithographien zu Parapapillonneries, entstanden 1975, zeigen Gebilde, die an Schmetterlinge erinnern ohne eigentlich solche Tiere zu sein. Mal sind es nur Raupen mit Küchenschürzen, mal Bretter, die an einem Rundholz befestigt sind oder ein Fadenknäuel, und immer assoziieren wir damit Schmetterlinge. Diese Serie zeigt, wohin das menschliche Denken führen kann, wenn man den Dingen voreingenommen begegnet.

Pfister Michael G 2011 1
Michael Pfister, Zuderpucker, 2011, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Vor dem Kunsthaus hängen Knäuel aus Brettern in den Bäumen, so als hätte ein Wirbelsturm einen Bretterstapel zurückgelassen. Michel Pfisters Arbeit Zuderpucker webt sich wie ein Mäander durch die laubfreien Bäume und verleiht ihnen ein neues, hölzernes Kleid. So wie sich Gedanken verweben und vernetzen, so verbindet sich die Kunst mit der Natur ohne eine Symbiose einzugehen. Ein schönes Eingangsbild für eine Ausstellung, die sich mit Einsamkeit und den damit verbundenen Gedanken befasst.

Rebetez Boris G 2011 1
Boris Rebetez, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Boris Rebetez zeigt fünf Bronzeskulpturen von Bergen, die er aus Malereien von Andrea Mantegna, Pieter Bruegel, Gerard David, Giotto und Fra Angelico herausgelöst und in Objekte verwandelt hat. Trotz dieser starken Referenzen entsteht etwas vollkommen Neues, die Malerei wird ähnlich wie bei Markus Müller ins Objekt übertragen und kombiniert so die Gegenwart mit dem Gedächtnis der Kunst. Gleichzeitig wird ein bestehendes Motiv der Kunst weitergedacht und entwickelt.

Roth Daniel G 2011 1
Daniel Roth, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Daniel Roth erzählt Geschichten innerer Räume. Im Film ist ein Stab zu sehen, der durch eine Wand dringt, eine Wolke ausstösst und wieder in der Wand verschwindet. Eine Art Zeichenschrift über einer Wandzeichnung suggeriert die Überblendung unterschiedlicher Zustände. Das Rindenobjekt erinnert an einen Körper oder einen Mantel, der ein Innen- und ein Aussenleben aufzeigt und, ähnlich den Betonobjekten Dunja Herzogs, die harmonischen Gefüge irritieren.

Ruckstuhl Monika G 2011 1
Monika Ruckstuhl, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Monika Ruckstuhl hat vier Interieurs gemalt. Einen Vorhang, hinter dem ein Tannenwald sichtbar ist, eine Raumsituation mit einer Wasserlache, einen Stuhl und eine Zimmerdecke. Die Bilder scheinen vom Licht durchflutet zu sein, Licht bestimmt die Farbe und Stimmungen der Räume und doch wirken die Objekte in den Räumen wie autonome Individuen, die ein Eigenleben aufweisen. Brillant ist wie es ihr gelingt, einen gleichartigen Farbklang über alle Bilder zu legen, als seien sie nachträglich patiniert worden.

Rudolf Anna G 2011 1
Anna Rudolf, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Anna Rudolf hat drei unterschiedliche Installationen geschaffen, die alle einen Zugang zum Thema meubler la solitude aufzeigen. Die eine stellt die Frage, ob und wie ein blinder Vogel fliegen kann, die zweite zeigt einen Hund vor einer Kiste, die dritte gibt den Blick frei auf einen verschneiten Wald, durch den unterschiedliche Spuren führen. Jede Installation evoziert Bilder, die Einsamkeitsmetaphern beinhalten, aber auch das Leben, den Tod, die Stille, die Konzentration oder die Fantasie thematisieren.

Schenker Katja G 2011 1
Katja Schenker, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Ob eine Live-Performance, ein Objekt oder Fotografien, Katja Schenker bezeichnet es immer als Performance, der Begriff wird bei ihr erweitert und umfasst alle ihre Tätigkeiten. Die drei Fotografien dokumentieren drei unterschiedliche Stadien einer Performance, in der die Künstlerin im Zentrum steht und Veränderungen des Körpers oder eine Situation thematisiert.

Hiepler Esther Schmid Max Philipp G 2011 1
Ersther Hiepler / Max Philipp Schmid, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Esther Hiepler und Max Philipp Schmids Installation zeigt unterschiedliche Situationen in Gärten, Zoos, Tropenhäusern und Museen, akustische unterlegt mit Textfragmenten von John Berger, Lucius Burckhardt, John Prest und Max Hauskeller, welche die ‹künstliche› Natur dieser Gärten als unsere Vision vom Garten Eden beschreiben. Die Bildabfolge wiederholt sich relativ rasch, sodass nach einigen Durchläufen auch zahlreiche Einzelheiten wahrgenommen werden können, durchaus ein Reiz der Installation.

Schmidhalter Hagar G 2011 1
Hagar Schmidhalter, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Drei Installationen die sich in einem prekären Gleichgewicht befinden, hat Hagar Schmidhalter für die Ausstellung entwickelt. In ihren Collagen kombiniert sie eine archäologische Spurensuche durch Rom mit verlassener Architektur indem siediese in ein System aus Glasplatten und raumgebenden Elementen aus Holz und Metall integriert. Sie öffnet damit Räume, die auf vieles wie Architektur, Archäologie, Wissenschaft, Bildung, Reisen verweisen, ohne die Fantasie des Betrachters einschränken zu wollen.

Scholer Anna G 2011 1
Anna Scholer, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Auf der Holzpalette von Anna Scholer finden sich zahlreiche Bananenkartons, die als Umzugskisten weiter verwendet werden, sowie einige darübergelegte Wolldecken, die den Stapel mehr verbergen als preisgeben. Was in den Kartons drin ist, bleibt unserer Fantasie überlassen. Sind es Gartenhäuser für Goldfische, verbergen sich darin Weihnachtsschmuck oder alte Kleider? Ein Kind sagte vor der Arbeit, jeder dürfe in den Kisten seine eigenen Dinge verstauen. Ebenso zeigt Anna Scholer zwei Bildstrecken: die Fahrt auf das Jungfraujoch und die Reise von Richterswil nach Zürich. Immer in der gleichen Position werden mit der Kamera Bilder aufgenommen, die die Vergänglichkeit von Situationen aufzeigen und den Aspekt der Zeit thematisieren; Momente sollen genossen werden, sie können nicht aufgehalten werden, sie sind einmalig und nicht wiederholbar. Der persönliche Eindruck einer Reise ist gleichzeitig eine Referenz an die Erinnerung, die einen Hauptaspekt des Ausstellungsthemas bildet.

Solari Nadia G 2011 1
Nadia Solari, Alice & Schneewitt, 2011, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Nadja Solari zeigt zwischen dem langen Raum und dem Säulenraum ein sich gefährlich durchbiegendes Brett mit zig Spraydosen, das Möblieren wird auf die Spitze getrieben und droht zu scheitern. Ganz anders in ihrer Spiegelarbeit auf der Empore. Sie erinnert mehr an die Nüchternheit von Neo-Geo. Das partielle Spiegeln zerschneidet den Körper in Fragmente und bildet dadurch neue Räume. Ebenso sind die Geschichten von Schneewittchen und Alice hinter den Spiegeln in die Arbeit eingeschrieben, Möglichkeiten in neue Räume zu verschwinden, bzw. Situationen aus neuen Perspektiven zu sehen werden suggeriert.

Steffens Inga G 2011 1
Inga Steffens, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Inga Steffens malt Gegenstände: Kisten, Hemden, Stühle, Federn, einfacher als wir sie überhaupt wahrnehmen, und sie haucht ihnen zusätzliches Leben ein, lädt sie mit Handlung und Geschichte auf, ohne dass das eigentliche Produkt verleugnet würde. Es sind alles Motive, die durch ihre Offenheit eine Stille hervorrufen; es sind Gefässe in denen sich Dinge befinden können, es sind Dinge die Situationen erklären oder illustrieren.

Vadi Pierre G 2011 1
Pierre Vadi, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Pierre Vadis Rauminstallationen verleihen der Situation im langen Gang eine zusätzliche Struktur. Räumlich gesprochen stellt sich ein Vexierbild ein, der Raum wird durch die dreissig Meter lange Linie zudem länger als bis anhin wahrgenommen. Die beiden anderen Arbeiten, eine Art verlassene Kiste und präzise gesetzte Kokosnüsse mit ‹Tarnkappen›, lassen sich als zusätzliche Statements im Raum verstehen, die aber auch auf einen hintergründigen Humor des Künstlers verweisen.

Vögtli Lex G 2011 1
Lex Vögtli, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Lex Vögtli kombiniert in ihren Bildern, Zeichnungen und Installationen Motive die eigentlich nie zusammenpassen und erreicht dadurch surreale Verfremdungen. Indem sie zusätzlich historische Kunststile adaptiert, entstehen Situationen in den Bildern und Objekten, die Irritation auslösen und gleichzeitig in ganz eigene Welten entführen. Zudem interpretiert sie in ihren Bildern unterschiedliche Malstile, was diese teils sehr anachronistisch wirken lässt. Der Raum wirkt wie eine Art Gesamtkunstwerk und thematisiert damit die Sperrigkeit von Objekten.

Wiesendanger Anna G 2011 1
Anna B. Wiesendanger, installation view Kunsthaus Baselland 2011, photo: Kunsthaus Baselland

Anna B. Wiesendangers Zeichnungen interpretieren die mythologische Geschichte von Diana im Bade neu. Aktäon wird von Diana in einen Hirsch verwandelt, weil er sie nackt baden sah. Die Szenerie wird in den Zeichnungen ins eigene Badezimmer übertragen, der Hirsch kämpft sich durch die Wasserleitungen der Badewanne und der Dusche, manchmal ist es nur eine Pflanze die an die Natur erinnert, eine eigenwillige Interpretation einer sehr spannenden Geschichte.