Barbara Maria Meyer

Nachtschatten

21.1. —
5.3.2006

Meyer Barbara Maria G 2006 1
Barbara Maria Meyer, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2006, Foto: Kunsthaus Baselland

Seit Anfang der 90er-Jahre beschäftigt sich die in Basel lebende Malerin Barbara Maria Meyer mit der Pflanzenwelt. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit Pflanzen, welche die Künstlerin in der Umgebung ihres Ateliers vorfand, recherchierte sie deren Beschaffenheit, Wirksamkeit und historische Bedeutung mittels botanischer Bücher und Lexika.

Diese enthielten Informationen über die potentielle Verwendung und Familienzugehörigkeit ebenso wie schematische Skizzen, Querschnittzeichnungen und Detailillustrationen. Im Zusammenwirken mit den wissenschaftlichen Vorlagen, konfrontierte die Künstlerin in ihren Malereien die Natur mit deren Illustration, das Vorbild mit dem Abbild und bezog dabei ihre eigenen, genuin künstlerischen Überlegungen mit ein. Ohne einen wissenschaftlichen Anspruch zu erheben, nimmt Meyer das visuelle Material als Ausgangspunkt für ihre künstlerische Auseinandersetzung, welche sich im Spannungsbereich zwischen Gegenständlichem, Natürlichem, Stilisiertem, künstlich Wirkendem entfaltet bzw. schlichtweg aus der atmosphärischen Grundstimmung zwischen diesen beiden, auf künstlerischer Ebene vereinten Gegenpolen erwächst. 

Speziell für die Einzelausstellung im Kunsthaus Baselland unterzog die Künstlerin die unmittelbare Umgebung der Ausstellungsinstitution einer näheren Untersuchung und griff teilweise auf die dort vorkommenden Gewächse zurück. So finden sich in den Zeichnungen und Fotografien, die als Vorstufen für die Malereien dienen, sowie in den eigentlichen Gemälden, Holunderblüten, Akazien, Flieder und die Blüten des so genannten ‹Blasenbaumes› aus der Umgebung des Kunsthaus nebst Pflanzenelementen aus ihrem privaten Fundus und Nachtschattengewächse wieder. Die Künstlerin greift Details einzelner Elemente auf, vergrössert, verkleinert oder stilisiert sie, legt die verschiedenen Teile übereinander, vermengt sie ineinander oder führt sie — erstmals in dieser Ausstellung — ausschnitthaft auf der Wand weiter. Die extreme Vielfalt an Formen und Details ermöglicht beständig andere Sichtweisen und Neubearbeitungen des Pflanzenrepertoires. Ein weiteres, erstmals verwendetes Element in ihrer Malerei ist das Material Nachleuchtfarbe, welches im Dunkeln und mit einer restlichen Licht-‹Erinnerung› das Bild animiert und zum Leuchten bringt. Bei nächtlichem Licht erscheint die Welt gleichzeitig vertraut und anders; wie bei Alice im Wunderland zieht die Künstlerin mit ihrer Ausstellung Nachtschatten die Betrachter in eine mikro- und makrokosmische Pflanzenwelt, in der wir wieder das Staunen lernen dürfen.
Text von Sabine Schaschl

KuratorIn: Sabine Schaschl