Franck Scurti

Before and After

22.3. —
27.4.2003

Scurti Franck G 2003 4
Franck Scurti, Insert 2002, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2003
Scurti Franck G 2003 2
Franck Scurti, Les Reflets, 2002, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2003
Scurti Franck G 2003 6
Franck Scurti, Heinecken Vision, 1999, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2003
Scurti Franck G 2003 5
Franck Scurti, Les Reflets, 2002, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2003
Scurti Franck G 2003 1
Franck Scurti, La Linea, 2002, Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland 2003

Das Kunsthaus Baselland zeigt erstmals in der Schweiz in zwei monografischen Ausstellungen die jüngsten Werke der beiden Künstler Pietro Sanguineti (*1965 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin) und Franck Scurti (*1965 in Lyon, lebt und arbeitet in Paris), die sich bisher weder persönlich, noch über ihre Arbeiten kannten.

Während in anderen Ausstellungen der Dialog zweier Positionen im Vordergrund stand, handelt es sich bei dieser um die gewollte Gegenüberstellung zweier getrennter Positionen, die trotz ihrer Unterschiede zumindest zwei gemeinsame Ebenen aufweisen: a) den Bezug zum realen Raum des Alltages und b) konzeptuelle Referenzen an die Errungenschaften des Künstlers Marcel Broodthaers.

Die Ausstellung Before and After entstand gemeinsam mit dem Palais de Tokyo und dem Centre National de la Photographie, Paris. Sie umfasst Franck Scurtis wichtigste Werkgruppen der letzten Jahre ebenso wie die neuesten Produktionen.

Wie für viele Künstler seiner Generation, richtet sich auch Scurtis Interesse auf die Alltagswirklichkeit, die Konsumwelt und das urbane Leben in all seinen Facetten. Was ihn jedoch als einen der grossen französischen Künstler seiner Generation neben Künstlern wie Philippe Parreno, Pierre Huyghe, Xavier Veilhan oder Dominique Gonzales Foerster auszeichnet, ist, wie dies Nicolas Bourriaud in seinem Katalogbeitrag formuliert, «die Geste des Zusammenfügens». Der Künstler entnimmt dem kulturellen Territorium «bereits sozialisierte Elemente», welche mit spezifischen Informationen aufgeladen sind und setzt diese anhand ihres inhärenten narrativen Potentials neu zusammen.

In seiner Ausstellung im Kunsthaus Baselland zeigt Franck Scurti u.a. die comicartige, grossformatige Zeichnung Insert, mehrere Videos, Leuchtzeichen und Objekte, welche als offene Reflexionen über Alltagshandlungen und als Alternative zum Projektdenken gelesen werden können. Scurti hat beispielsweise die Türe einer Boulangerie aus seinem Wohnviertel samt den auf ihr angebrachten Kreditkartenlabels und Hinweisen auf die Akzeptanz von Ticket Restaurants als sozialisiertes Objekt entdeckt und sie in Sandwich reproduziert. Für das Werk Street Credibility lässt der Künstler seine Schuhe mit dem Motiv des Pariser Stadtplans neu besohlen. Das Strassengeschehen greift auch das durch ein Bierglas gefilmte Video Heinecken Vision auf. Die Ausstellung präsentiert in erster Linie Werke, die der Künstler selbst unter dem Begriff «Street Credibility» verortet hat. Jenen Begriff aus der Musikbranche, welcher Rap-Musiker und die Strasse als den Ort ihrer Kunstausübung charakterisiert, nutzt Scurti um selbstkritische Momente sozialer und kultureller Gewohnheiten herauszufiltrieren. Scurti sucht die, wie er es ausdrückt «individuelle Dynamik, die die Vorstellung der Umwandlung aller Dinge umschliesst». Die Ausstellung gibt einen Einblick in die sich kontinuierlich fortentwickelnde Denkbewegung dieses urbanen Flaneurs, der den Betrachter einlädt, unsere (Alltags-)Welt neu zu sehen.
Text von Sabine Schaschl

KuratorIn: Sabine Schaschl